Behzad Borhani will für die Grünen in den Bundestag.	FOTO: SCHEPP
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Behzad Borhani will für die Grünen in den Bundestag. FOTO: SCHEPP

Wahlkampf

Warum Behzad Borhani für die Grünen in den Bundestag will

  • Kays Al-Khanak
    VonKays Al-Khanak
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Behzad Borhani hat gute Chancen, nach der Bundestagswahl für die Grünen nach Berlin zu gehen. Warum das kein Zufall ist.

Behzad Borhani hat zusammen mit dem Politikwissenschaftler Claus Leggewie eine vielbeachtete Diskussionsreihe im Stadttheater moderiert. In »Die offene Gesellschaft« ging es vor allem um die Frage, wie wir (miteinander) leben wollen. Der Diskurs darüber ist für den zweifachen Familienvater zentral, wenn man ihn nach dem Ziel seines politischen Handelns fragt. Es könnte sein, dass der 36 Jahre alte, in Iran geborene Borhani sich diesem Thema in naher Zukunft intensiver widmen wird. Er ist nicht nur Direktkandidat der Grünen für den hiesigen Wahlkreis 173 für die Bundestagswahl im Herbst. Er ist außerdem auf der virtuellen Landesmitgliederversammlung der Grünen in Hessen aus dem Stand heraus auf einen aussichtsreichen zwölften Listenplatz für die Bundestagswahl gewählt worden.

Gießen: Wahl von Borhani nur auf den ersten Blick überraschend

Fragt man ihn nach seinen Chancen, für die Grünen nach Berlin zu gehen, will der beim Stadttheater als Leiter für Kommunikation, Vernetzung und Sonderveranstaltungen zuständige Borhani nicht über seine Person sprechen. »Es geht darum, ein starkes grünes Ergebnis hinzulegen«, sagt der mittlerweile in Fernwald lebende und dort bei den Grünen aktive 36-Jährige. Denn das brauche es, um den Klimaschutz voranzubringen. »Es geht um nichts anderes als um unsere Zukunft.« Auch seine Schwerpunktthemen - Sport, Kultur, Vielfalt - seien davon abhängig, ob es gelinge, »die Klimakatastrophe« abzuwenden. Ganz Profi ist er auch, wenn man ihn nach dem Verzicht von Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz auf eine weitere Amtszeit auf die Grünen-Pläne anspricht. Das sei Sache der Parteigremien.

Dass Borhani bei seiner ersten Bewerbung um einen Listenplatz für die Bundestagswahl derart gut abschneidet, mag auf den ersten Blick überraschen. Beim zweiten Blick aber weniger: Borhani ist seit 20 Jahren ehrenamtlich politisch aktiv: in der Schülerinnen- und Schülervertretung und im organisierten Sport, wo er bis auf Bundesebene diverse Funktionen innehatte - zum Beispiel als Vorstandsmitglied der Sportjugend Hessen. Hier hatte er viele Projekte gegen Rechtsextremismus, für Demokratie und Integration, wie zum Beispiel das Landesprogramm Sport und Flüchtlinge, geplant, umgesetzt oder betreut. 2019 erhielt er den Dr.-Otto-Kasten-Preis der Intendantengruppe des Deutschen Bühnenvereins. In der Begründung der Jury heißt es, Borhani realisiere kreative Vermittlungsformate und Konzepte, sei Netzwerker und besteche »durch hohe Kompetenz, intelligente Kreativität, Integrität und außergewöhnliche Kommunikationsfähigkeit, auch im kontroversen Diskurs«. Er habe sich »um das Theater und dessen Verortung in Stadt und Region sowie die Integration von Zuwanderern in die Gesellschaft verdient gemacht«.

Borhani will eine starke Stimme für Kulturschaffende sein. Mit Klientelpolitik habe dies nichts zu tun, sagt er. Denn Kultur habe eine gesamtgesellschaftliche Bedeutung. Gerade Gießen sei auch eine Kulturstadt. Neben dem Stadttheater sei der Umbau der alten Feuerwache eine »Manifestation der Kulturszene«. In diesem Zusammenhang nennt er es »ein Unding«, dass Soloselbständige und Künstler noch immer auf Überbrückungshilfen des Bundes warten und einen großen bürokratischen Aufwand dafür betreiben müssten. »Da muss deutlich mehr passieren«, betont er.

Bei der Mitgliederversammlung der beiden Grünen-Kreisverbände Gießen und Vogelsberg wurde Borhani gefragt, welches Gesetz er sofort ändern oder abschaffen würde. Seine Antwort spiegelt sein Engagement für Vielfalt wider: »Ich würde sofort das Wort ›Rasse‹ aus dem Grundgesetz und anderen Gesetzestexten streichen.« Die Intention dahinter, die Gleichheit aller Menschen zu betonen, verstehe er, sagt Borhani. »Aber der Begriff vertieft die Erzählung, dass es unterschiedliche Menschenrassen gibt.« Dass dies geändert werden müsse, unterstreicht Borhani mit dem Hinweis auf den rassistischen Anschlag von Hanau, bei dem der Täter zehn Menschen erschoss. »Das ist nicht einmal ein Jahr her«, sagt er.

Borhani: Gelassenheit in der Wahlkampfzeit

Borhani ist ein Typ, der sich gerne außerhalb von Blasen bewegt und neugierig ist. Er tanzt auf vielen Hochzeiten: Theater, Moderation, Lehrauftrag an der Uni Gießen, Zumba-Training. Vielleicht hilft ihm das, der anlaufenden heißen Phase des Kommunalwahlkampfs im März gelassen entgegenzusehen. Und sollte er nach der Bundestagswahl nicht als Abgeordneter nach Berlin gehen, wäre das für ihn wohl kein Drama. Borhani sagt: »Ich werde dann meine jetzige Arbeit mit genau dem gleichen Spaß weitermachen wie sonst auch.«

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