Wort zum Sonntag

Warten lohnt sich

  • vonRedaktion
    schließen

Es ist eine gewaltige logistische Herausforderung. Noch nie in der Geschichte musste eine vergleichbare organisatorische Leistung erbracht werden. Noch der versteckteste Winkel der bekannten Welt muss in die Suche einbezogen werden. Nein, hier ist nicht die Rede von der Zuweisung und Verteilung des Corona-Impfstoffs, die in den nächsten Monaten bevorstehen. Das historische Ereignis, das hier tatsächlich gemeint ist, ist die Volkszählung von Kaiser Augustus im Imperium Romanum, das immerhin auch von den Säulen des Herakles im Westen bis an die Tore Persiens im Osten reichte.

Etwas bis dahin nie Dagewesenes wurde unternommen. Nicht aus Menschenfreundlichkeit natürlich, sondern aus politisch-ökonomischem Kalkül. Lediglich wer weiß, wie viele Menschen in seinem Reich leben, kann von jedem einzelnen Steuern erheben und das wirtschaftliche Potenzial voll ausschöpfen. Aber eben damit begann in geschichtlicher Zeit die größte Rettungsaktion seit den Vortagen der Sintflut: "In jener Zeit erging von Kaiser Augustus der Befehl, dass sich ein jeder in die Stadt seiner Väter zu begeben habe, auf dass er sich zählen lasse und in Steuerlisten eingetragen werde."

Ohne die kaiserliche Volkszählung keine Geburt des Messias in Betlehem, der Stadt Davids! Wir Menschen der Jahreswende 2020/21 warten auf die Zuweisung und Verteilung des ersehnten Impfstoffs, milliardenfach wird er benötigt und bereitgestellt werden. Die Menschen an der Zeitwende um die "Stunde null", wenigstens jene in Israel, warteten auf das Kommen des Retters. Und der ganze damals bekannte Erdkreis sollte von diesem Hoffnungsfeuer ergriffen werden, an Weihnachten. Die Zeit davor, der knappe Monat der bangen und freudigen Erwartung, trägt einen Namen: Advent. Die Zeit des Wartens muss nicht die schlechteste sein. Sicher braucht es Geduld und Disziplin, aber es lohnt sich.

Jonas Adam

Pfarrer der kath. Gemeinde

Sankt Marien, Großen Buseck

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare