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Auf der Suche nach Ameisennestern macht der Ameisen-Sackkäfer im Botanischen Garten eine Verschnaufpause.

Warnfarbe als Nachricht

  • VonHans Bahmer
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Gießen (hsb). Der um die zehn Millimeter große Ameisen-Sackkäfer ist in der Krautschicht des Botanischen Gartens in Gießen nicht zu übersehen. Das liegt an seiner Warnwesten-Farbe. Der ansonsten schwarz gefärbte Käfer zeichnet sich durch gelbrote Flügeldecken mit vier schwarzen Flecken aus. Die Warnfarbe richtet sich an potentielle Feinde und die Botschaft lautet:

Lasst mich in Ruhe, ich bin giftig, ihr verderbt euch den Magen!

Wenn das Insekt nicht so walzenförmig langgestreckt wäre, könnte man es bei flüchtigem Blick mit einem Marienkäfer verwechseln. Als Mitglied der Blattkäfer schmecken dem Kerbtier die Blätter verschiedener Pflanzen. Sein Appetit hält sich aber in Grenzen, sodass der Käfer im Vergleich zu Pappelblatt-, Weidenblatt- und Erlenblattkäfern lediglich als harmloser Blattvertilger gilt. Durch seinen exklusiven Entwicklungszyklus hebt er sich aber deutlich vom gemeinen Käfervolk ab. Nach der Paarung ummantelt das Weibchen jedes seiner Eier mit kleinen, mit Sekret gemischten Kotschüppchen. Aus den Eiern werden so kleine Kügelchen mit einem Durchmesser von zwei Millimetern, deren Aussehen an mit Schokosplittern garnierten Minipralinen erinnert. Die Eier werden von dem Käferweibchen in der Nähe von Ameisennestern deponiert. Und das ist Absicht. Die fleißigen Ameisen verschleppen die mechanisch und wahrscheinlich auch chemisch getarnten Eier vermutlich als vermeintliches Baumaterial in ihr Nest. Die Larve, die dann im Schutz des Ameisennestes aus dem Ei schlüpft, behält weiterhin ihre Tarnkappe aus Kot. Durch ihre eigenen Ausscheidungen passt die wachsende Larve diesen Schutzmantel immer wieder ihrer aktuellen Größe an. Dabei schaut der vordere Teil mit den Beinen aus dem Köcher heraus, was ein Herumwandern im Nest möglich macht.

Bei Gefahr zieht sich das Tier in die Kotröhre zurück und verschließt mit seinem Kopfpanzer den Eingang. Im Schutz des Ameisennestes läuft die zwei bis vier Jahre dauernde Entwicklung ab. Während dieser Zeit ernährt sich die Larve von dem, was die Ameisen ins Nest bringen. Möglicherweise aber auch von Ameisenbrut oder Ameiseneiern. Die können von den ahnungslosen Ameisen sogar direkt in den Eingang der Larvenbehausung gelegt werden. Die Ameisen erkennen Käfereier, Larven und Puppen weder als Beute noch als Feind. Bei Verlegung des Nestes werden die Käferlarven in ihrem Kotsack sogar als Umzugsgut von den Ameisen mitgenommen. Erst wenn der Käfer schlüpft, wird er als artfremdes Wesen wahrgenommen und sollte dann möglichst schnell den Ameisenbau verlassen. FOTO: HSB

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