Laith Al-Deen auf der großen Leinwand - aus Lenkrad-Perspektive. FOTO: GL
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Laith Al-Deen auf der großen Leinwand - aus Lenkrad-Perspektive. FOTO: GL

Warmes Licht aus Halogenleuchten

  • Karola Schepp
    vonKarola Schepp
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Sichtlich ungewohnt war für Laith Al-Deen sein Auftritt im Autokino an den Hessenhallen. Doch der Sänger wurde bei der Präsentation seines neuen Albums von den Fans mit einem "warmen Leuchten aus den Halogenscheinwerfern" belohnt.

Wer einen Mini fährt, ist im Vorteil. Denn er kann, wenn er denn rechtzeitig zur Toresöffnung am Autokino ist, einen Platz in einer der vorderen Reihen ergattern - direkt vor der riesigen Leinwand und in guter Sichtweite zur Bühne nebenan. Davon können Fans in ihren hohen SUVs nur träumen, die in die hinteren Reihen gelotst werden. Aber auch die Fahrer moderner Wagen mit Eco-Technik haben es nicht immer ganz leicht: Weil der Ton quasi nur über das Autoradio zu hören ist, müssen sie immer wieder zwischendurch den Wagen anlassen, damit der nicht automatisch zum Schutz der Batterie von allein abschaltet.

Echtes Konzertgefühl kommt so nur bedingt auf. Ganz im Sinne des auf früheres Kiffen angesprochenen Ex-US-Präsidenten Bill Clinton könnte man sagen: Hier wird "gezogen, nicht inhaliert.". Aber was soll’s! In Corona-Zeiten kann man als Fan und Künstler gleichermaßen froh sein, überhaupt Livemusik erleben zu können.

Und so geben sich am Donnerstagabend die Besucher in den nahezu 250 Autos im Autokino an den Hessenhallen alle Mühe, Sänger Laith Al-Deen und seinen Musikern mit Lichthupen, allerlei blinkenden Dingen und einem "warmen Leuchten aus den Halogenscheinwerfern", so interpretiert es der Sänger, zu zeigen, wie froh sie über den Auftritt sind. Aus der näheren Umgebung, aber auch aus Siegen, dem Main-Taunus-Kreis oder Südhessen sind sie gekommen, um die Vorpremiere seines neuen Albums "Kein Tag umsonst" zu erleben.

Laith Al-Deen hat sich für seinen Gig in Gießen erfahrene Musiker, auch aus dem Mittelhessischen, zur Seite geholt: Ole Rausch und Andi Mette an den Akustikgitarren, Tobi Reiss an den Tasten, Frieder Gottwald am Bass und David Mette am Schlagzeug. Mit ihnen war er ab Ende 2019 auf ausverkaufter "C’est la vie"-Akustiktour, wollte 2020 weitermachen. Und dann kam Corona.

Doch mit seinen 30 Jahren Bühnenerfahrung lässt sich Laith Al-Deen nicht entmutigen und präsentiert ausgerechnet jetzt sein neues Album. Auch auf "Kein Tag umsonst" geht es um die Dinge, die einem Halt geben im Leben. Die Titel heißen "Glaub an Dich" und "Du bist es wert". Es geht um gute Freunde in "Ein Wort", die Dinge "Zwischen den Zeilen" oder das Glück, das doch eigentlich "So nah" ist. Und natürlich darf auch das Thema Liebe bei so viel Wortpoetik nicht fehlen, denn "Liebe ist ein Geschenk", so der Titel der nächsten Single-Auskoppelung. Al-Deen und seine Musiker machen aus den Balladen zuweilen schmissige "Extended Versions", die zeigen, dass sie nicht nur allesamt ihr Handwerk auf hohem Niveau verstehen, sondern auch mit Spaß am Auftritt dabei sind.

Natürlich dürfen Hits wie "Bilder von dir" nicht beim Konzert fehlen. Dass er seinen größten Erfolgshit gleich auf Platz zwei seiner Playlist für das Autokinokonzert gesetzt und damit quasi "abgehakt" hat, zeigt, dass Al-Deen voller Selbstbewusstsein auch 20 Jahre später noch gerne zu neuen Ufern aufbricht. Aber auch "Keine wie du" oder "Jetzt.hier.immer" bekommen in der Akustik-Version noch einmal ganz neuen Drive.

Und so kann am Ende des Konzertabends ein sichtlich zufriedener Laith Al-Deen im Bühnennebel den Lichthupen-Applaus seiner Fans entgegennehmen. Das sehe aus wie ein "Autoclub voller Kiffer" scherzt er - und die haben an diesem Autokinoabend vielleicht doch auch ein bisschen inhaliert.

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