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Bauboom

Die Ware Boden wird in Gießen knapp

  • Burkhard Möller
    vonBurkhard Möller
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Das Einwohnerwachstum und der Immobilien-Boom stoßen in Gießen an Grenzen. Auf dem Markt sind immer weniger Objekte und Grundstücke verfügbar.

Der Tanz der Baukräne prägt seit Jahren die Stadtsilhouette von Gießen. Auch in diesem Frühjahr ragen sie an vielen Stellen in den blauen Himmel und zeugen von einer regen Bautätigkeit - auch im privaten Immobiliensektor. Es werden in den nächsten Jahren auch noch einige größere Vorhaben hinzukommen, zum Beispiel am früheren Motorpool-Gelände hinter der Grünberger Straße oder rechts und links der oberen Marburger Straße im Bereich der Rinn’schen Grube und der Brauhaus-Industrieruine. Mittelfristig geht die Kurve aber nach unten. Der 2019 ermittelte gut fünfprozentige Anstieg bei der Zahl der Geschäfte mit Grundstücken, Häusern und Wohnungen im Vorjahresvergleich ändert daran nichts. "Es zeigt sich, dass immer weniger Objekte am Markt verfügbar sind. Es wird langsam mager", erklärte Horst Friedhelm Skib, Vorsitzender des Gießener Gutachterausschusses für Immobilienwerte, am Mittwoch bei der Vorstellung des Gießener Marktberichts für 2019.

778 Verträge mit 856 Objekten sind im vergangenen Jahr über den Schreibtisch von Skib gegangen; das waren 5,5 Prozent mehr als im Vorjahr. Mit rund 853 000 Quadratmetern ging die gehandelte Gesamtfläche gleichwohl um fast eine Viertel gegenüber 2018 zurück, das allerdings mit über 1,1 Millionen Quadratmetern ein Ausreißer nach oben war. Dass es 2019 immer noch so viel verkaufte unbebaute Grundstücksfläche war (fast 570 000 Quadratmeter), hängt mit dem Verkauf von über 300 000 Quadratmetern im US-Depot an den Otto-Konzern zusammen. Die Transaktion war schon unter Dach und Fach, aber dann zog der Hamburger Konzern im vergangenen April sein Mammutvorhaben doch noch zurück. Der neuerliche Verkauf durch die Gießener Revikon GmbH an an das Unternehmen VGP wird dann 2021 erneut im Marktbericht auftauchen. Der Gesamtumsatz lag mit rund 376,5 Millionen Euro trotz Flächenrückgang gut sechs Prozent über dem des Vorjahres.

Verlagerung in die Stadtteile

Hier einige Schlaglicher aus dem Markbericht für Gießen.

Eigentumswohnungen: In diesem zahlenmäßig stärksten Segment wurde eine Steigerung der Verkaufsfälle um knapp elf mit einer Steigerung des Geldumsatzes von gut 12 Prozent verzeichnet. Teilweise wurden geeignete Objekte nicht mehr in Wohnungseigentum geteilt, sondern als Investmentobjekte insgesamt veräußert. Eine neu errichtete Eigentumswohnung kostete im Durchschnitt 3444 Euro pro Quadratmeter, vier Prozent mehr als 2018. Gebrauchte Wohnungen waren für knapp 2500 Euro den Quadrameter zu haben.

Wohnbaugrundstücke:Auch hier wird die Flächenknappheit deutlich, vor allem in der Kernstadt. War das Verhältnis der Geschäfte zwischen Kernstadt und Stadtteilen 2018 fast noch ausgeglichen, spielten 2019 nur noch 13 Prozent der Kauffälle im Stadtgebiet, dafür der große Rest in den Ortsteilen. Der Durchschnittspreis für Wohnbaugrundstücke lag bei 264 Euro pro Quadratmeter, 2018 waren es noch 324 Euro. Grund für den Rückgang laut Skib: "2019 wurden keine Spitzenwerte mehr erzielt, denn es wurden vorwiegend Grundstücke in nicht ganz so guten Lagen gehandelt."

Wohnhäuser:Freistehende Einfamilienhäuser kosteten im vergangenen Jahr im Durchschnitt 412 000 Euro, was einem Anstieg von 15 Prozent entspricht. Reihenhäuser kosteten mit 318 000 Euro nur unwesentlich mehr als in 2018. Doppelhäuser und Reihenendhäuser wurden zwischen 5,5 und 15 Prozent teurer. Sie kosteten durchschnittlich 347 000 bzw. 331 000 Euro.

22 Euro in Gießen nicht durchsetzbar

Mieten:Die Spanne lag zwischen 4,50 und 17,70 Euro Nettokaltmiete pro Quadratmeter. Die Preissteigerung von 2018 nach 2019 lag über alle Größen und Ausstattungen bei rund drei Prozent. In die Auswertung sind nur Mieten eingeflossen, die vertraglich vereinbart wurden. Unverschämte Preise, die vereinzelt in Inseraten gefordert werden, scheinen nicht gezahlt zu werden. "Forderungen von gar 22 Euro, wie sie es 2015 schon gegeben hatte, sind in Gießen offensichtlich nicht durchsetzbar", heißt es in dem Bericht. Der Spitzenpreis von 17,70 Euro sei "genau einmal" vereinbart worden. Aus den Daten des Gutachterausschusses ergibt sich für Gießen ein Quadratmeterdurchschnittspreis von 8,10 Euro.

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