In der Hoffnung, "wilde" Müllablagerungern in der Stadt einzudämmen, hat die Stadt vor einem halben Jahr die Extragebühr für die Sperrmüllabholung gestrichen. Seitdem ist die Menge deutlich gestiegen. ARCHIVFOTO: SCHEPP

Sperrmüll

Wann ist in Gießen der Sperrmüll dran?

Die Stadt nennt die Terminefür den Sperrmüll nicht mehr im Abfuhrkalender. Hier gibts die Gründe.

Gießen - Papier, Kompostierbares, gelber Sack, Restmüll - und wo bleibt der Sperrmüll? Die Termine dafür suchen Bürgerinnen und Bürger vergeblich auf dem neuen Abfuhrkalender der Stadt. Das heißt keineswegs, dass Unhandliches nicht mehr abgeholt würde. Im Gegenteil: Gerade der Erfolg der gebührenfreien Entsorgung hat dazu geführt, dass jeder die Abholtage nun erfragen muss.

Sechs bis acht Wochen Wartezeit

Seit jeher werde Sperrmüll in Gießen nur "nach vorheriger Anmeldung und Bestätigung des Abholtages" einmal im Monat abgeholt, zitiert Ralf Pausch aus der Satzung. Die Termine hätten bisher im Kalender gestanden und - bei fristgemäßer Anmeldung bis eine Woche zuvor - auch fast immer eingehalten werden können, erläutert der Leiter des Stadtreinigungs- und Fuhramts auf GAZ-Anfrage.

Doch mit der Einführung der gebührenfreien Sperrmüllabfuhr zum 1. Juli seien die Zahl der Anmeldungen wie auch die Sperrmüllmengen deutlich angestiegen. Folge: Die Kapazitäten des Amts sind oft frühzeitig ausgeschöpft. Bürger müssten mittlerweile im Schnitt sechs bis acht Wochen Wartezeit einkalkulieren.

Mitunter müssen sie ihr Gerümpel sortieren und an verschiedenen Tagen herausstellen. Denn im Interesse der Wiederverwertung schickt die Stadt vier verschiedene Fahrzeuge auf Tour, die Holz, Metall, Elektrogeräte sowie sonstigen Sperrmüll einsammeln. Deshalb "kann es passieren, dass der alte Kleiderschrank erst später, der später angemeldete defekte Kühlschrank aber kurzfristig abgeholt werden kann", erklärt Pausch.

Daher habe sich die Stadt entschieden, die Termine nicht mehr vorab zu veröffentlichen. Dies handhabten bundesweit bei den meisten Entsorgungsbetriebe so. Beispielsweise nennten auch die Abfallkalendern des Landkreises Gießen und der Nachbarstädte Marburg und Wetzlar keine Sperrmülltermine.

Diese geänderte Verfahrensweise ermögliche eine bessere Auslastung der Kapazitäten. "Wir sehen darin aber auch Chancen, künftig flexibler reagieren zu können", betont der Amtsleiter. Möglicherweise werde die Stadt je nach Ressourcen zusätzliche Abholtermine anbieten.

Bis zu viermal im Jahr kann jeder Haushalt die kostenlose Abfuhr in Anspruch nehmen. Zu diesem Service hat sich die Stadt im vergangenen Sommer entschlossen. Der Gebührenausfall von bis zu 85 000 Euro sei verkraftbar, hieß es. Verbunden mit der neuen Regeländerung war die Hoffnung, illegalen Müllkippen vorzubeugen. In den Jahren zuvor hatte die Stadt eine stetig zunehmende Menge von Müll zusätzlich einsammeln müssen, die dreiste Bürger auf Grünstreifen, im Wald oder auf Bürgersteigen abgeladen hatten.

Ob das Ziel erreicht wurde, "haben wir noch nicht ausgewertet", so Pausch. Verschwunden sind solche Ärgernisse aus dem Stadtbild jedenfalls nicht. Mancher ist offenbar zu bequem oder zur unwissend, um Sperrmüll anzumelden, oder er will das alte Sofa sofort loswerden.

Wer nicht auf die Abholung warten will, kann wie bisher zweimal jährlich kostenfrei einen Kofferraum voll Sperrmüll im Wertstoffhof in der Lahnstraße abgeben. Gegen Extragebühren ist die Abholung oder Anlieferung zusätzlicher Mengen möglich.

Den Abfuhrkalender für 2020 kann man - wie berichtet - bei der Stadt abholen, zu Hause ausdrucken oder online einsehen. Wer die Gießen-App aufs Smartphone lädt, kann sich per Push-Nachricht ans Herausstellen der Mülleimer unterschiedlicher Farbe erinnern lassen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare