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Rund um Allendorf/Lahn

Wanderung bei Gießen mit Blick vom Deponiegipfel

  • Kays Al-Khanak
    vonKays Al-Khanak
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In Gießen selbst gibt es zwar nur wenige markierte Rundwanderwege. Dafür ist die Route zu Fuß rund um Allendorf wunderbar vielseitig - tolle Aussicht inbegriffen.

Es spricht für das unerschütterliche Selbstbewusstsein oder zumindest für den optimistischen Pragmatismus vieler Allendörfer, dass sie die Spitze einer Deponie a. D. Aussichtsgipfel nennen. Und seien wir ehrlich: Sie haben recht. Wer oben auf der ehemaligen Kreismülldeponie am Rande des Gießener Stadtteils steht, der kann einen wunderbaren Panoramablick über das Umland genießen. Der halbwegs steile Aufstieg auf den Aussichtspunkt zählt zu einem der vielen Höhepunkte des Allendorfer Rundwanderwegs.

Allendorf/Lahn mag vielleicht ein Schlafvorort von Gießen sein; einen Lebensmittelladen oder Bäcker sucht man beispielsweise vergebens. Stattdessen punktet der 2000-Einwohner-Ort mit einer Mischung aus landschaftlicher Vielfalt und einem intakten Veranstaltungs- und Vereinsleben. Wer nicht unter sich bleiben will, findet zu vielen unterschiedlichen Anlässen zu fast jeder Jahreszeit viele Gelegenheiten, um zu feiern.

Eine engagierte Vereinsgemeinschaft und ein rühriger Ortsbeirat, der etwas bewegen will: Dieser Kombination ist es auch zu verdanken, dass es den Rundwanderweg gibt. Das Gremium hatte gemeinsam mit den Vereinsvertretern im August 2011 beschlossen, eine solche Route rund ums Dorf zu konzipieren. 2014 konnte der über 6,5 Kilometer lange Weg eröffnet werden.

Längst ist die Strecke kein Geheimtipp mehr. Das liegt zum einen daran, dass sie sehr gut ausgezeichnet ist: Der Einstieg ist an mehreren Stellen möglich, zum Beispiel am Hochwasserdamm (Station 1) oder bequem am Ortseingang von Kleinlinden kommend (Station 3). Wanderer folgen einfach dem Symbol, welches das Allendorfer Wappen mit dem Schweizer Kreuz und einem Wandermännchen zeigt. Unterwegs treffen sie auf 15 ausführliche Infotafeln.

Neben der ohnehin schon reizvollen und abwechslungsreichen Hauptroute lohnt sich besonders der Abstecher zu den drei Exkurswegen: Da wäre zum einen der Aussichtsgipfel auf der ehemaligen Deponie. Zum anderen wäre da das kleine Waldgebiet Hoppenstein zwischen Kleinlinden und dem Allendorfer Neubaugebiet. Im "Adamswäldchen" führen schmale Pfade unter anderem zu Überbleibseln aus der Keltenzeit sowie zu einer Schanzenanlage aus dem Siebenjährigen Krieg (1756 bis 1763). Spannend für Spurensucher: Irgendwo in der Nähe, zwischen Allendorf und Kleinlinden hat das Dorf Mengersheim existiert. Doch wo genau sich die Wüstung befindet, ist bis heute nicht geklärt.

Ein dritter Exkurs von der Hauptroute ist beinahe romantisch: der sogenannte Judenberg. Dabei handelt es sich um eine der größten Streuobstwiesen der Gegend mit Apfel-, Birnen und Pflaumenbäumen. Sanft geschwungene Wiesen, knorrige Bäume, das Zirpen der Grillen, Bienenstöcke, und alte, schön in der Landschaft drapierte Landwirtschaftsgeräte sorgen für Urlaubsflair. Bunte Wildblumenfelder flankieren den Weg durch die Streuobstwiesen. Artenreichtum wird hier groß geschrieben und ist für den Wanderer greif- und spürbar. Wer will, kann hier in den vielen kleinen Nebenwegen ein wenig verloren gehen. Und dann gibt’s viel zu entdecken.

Und sonst? Da wären zum Beispiel die Fuchsbauten, denen man auf dem Weg recht nahe kommen kann. Oder das Hühnermobil, aus dem die Tiere morgens gackernd auf die Wiese flitzen. Später kann man ihre Eier in einem Automaten an der Untergasse kaufen. Oder der Gang im Schatten der Bäume entlang des träge dahinplätschernden Kleebachs. Ganz ehrlich: Was braucht man mehr?

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