Halb Akademiker, halb Dienstleister: Musikdramaturg Samuel C. Zinsli. FOTO: PV
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Halb Akademiker, halb Dienstleister: Musikdramaturg Samuel C. Zinsli. FOTO: PV

Wandelndes Opernlexikon

  • Manfred Merz
    vonManfred Merz
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Samuel C. Zinsli heißt der neue Musikdramaturg am Stadttheater. Der beredte Schweizer hat am Berliner Platz viel vor. Er sieht sich als Organisator, Koordinator und Vermittler hinter den Kulissen. Selbst ist er natürlich ebenfalls Künstler, auch wenn diese Profession nun in die zweite Reihe rückt.

Otto Schenk ist sein großes Vorbild. Allein schon, was die Vielfalt der Betätigungs- felder angeht. Humorist, Regisseur, Schauspieler, Kaba- rettist - von alldem hat auch der neue Musikdramaturg des Stadttheaters etwas im Blut. "Ich liebe die Arbeit im Theater. Und trockenen Humor liebe ich ganz besonders", sagt Samuel C. Zinsli und zeigt sein verschmitztes Lächeln.

Nach einer Reihe von eher kurzen Musikdramaturgengastspielen am Berliner Platz soll der 47-jährige Schweizer nun für Konstanz sorgen. Gerüstet dafür ist er. An die 10 000 Theaterabende hat Zinsli besucht, mehrere Tausend CDs und Schallplatten mit klassischer Musik und Opern zählt seine Sammlung. "Eigentlich höre ich ständig Musik", meint der Wahl-Wiener und überlegt kurz: "Außer wenn ich meine Steuererklärung mache."

Bergbauern als Vorfahren

Weitere Vorzüge? "Ich kann Technisches gut mit Alltagsworten erklären." Das Flüssige, Unterhaltsame ist sein Metier. Obwohl eher schüchtern, dient ihm das Extrovertierte als Zufluchtsort. In jungen Jahren stand der Schweizer gern selbst in den unterschiedlichsten Rollen auf der Bühne. "Dafür habe ich jetzt natürlich keine Zeit mehr", bekräftigt er.

Zinsli wurde 1973 in Chur geboren, seine Vorfahren waren Bergbauern. Er lacht: "Aber meine Dickköpfigkeit kommt nur zum Tragen bei Dingen, die mir sehr, sehr wichtig sind."

Sein Werdegang ist so kunterbunt wie seine Begabungen vielseitig. Nach der Matura studierte Zinsli Musikwissenschaft, Latinistik und Germanistik in Zürich und Wien. Acht Jahre genoss er Gesangs- und Klavierunterricht. Sein Stimmfach ist der Bass. Vor allem russische Orchestermusik hat er ins Herz geschlossen. Und natürlich mag er als Wien-Liebhaber den Schriftsteller Karl Kraus, allein schon wegen dessen Wortspielerei. Zinsli verdingte sich als Übersetzer, Korrektor und (auch so eine Art Rolle) als Hotelrezeptionist. Er spricht mehrere Sprachen fließend und gilt im Freundeskreis als wandelndes Opernlexikon.

Nach dem Studium arbeitete der Schweizer als Regieassistent an der Schlossoper Haldenstein, führte mehrfach selbst Regie, wirkte als Schauspieler und übernahm Sprechrollen in Operetten und Opern.

Seine Arbeit am Stadttheater sieht er nun auch als eloquenter Kommunikator: "Irgendwie bin ich halb Akademiker und halb Dienstleister. Ich organisiere, koordiniere und vermittle gern." Was ihm ebenfalls wichtig ist: "Ich denke mit, ohne ein Dogmatiker zu sein."

Katzennarr und Bratenliebhaber

Im Moment widmet er sich der ersten Opernproduktion der neuen Spielzeit, Verdis "Macbeth" (Premiere: heute Abend im Großen Haus). Regisseur Georg Rootering und Generalmusikdirektor Florian Ludwig sind voll des Lobs über den neuen Kollegen.

Probenbesuche gehören ebenso zu Zinslis Beruf wie das Schreiben von Texten für die Programmhefte. "Natürlich beschäftigt mich auch schon die Recherche zu den weiteren geplanten Stücken." Darüber hinaus sagt ihm sein Umfeld in Gießen zu. "Bislang habe ich lauter erfreuliche Eindrücke von Haus und Stadt gesammelt."

Noch einige private "Geheimnisse"? Bitte: Zinslis Lieblingsfarbe heißt Violett, sein Lieblingstier ist die Katze und sein Lieblingsbuch "Alice im Wunderland". "Weil es auf unterhaltsame Weise schildert, wie wir alle durchs Leben stolpern und das viel weniger steuern können, als wir möchten."

Gibt’s auch eine Leibspeise? "Wenn man mir eine wirklich große Freude machen will, dann sollte es böhmischer Schweinebraten mit Knödeln und Kraut sein." Und wie sieht er seine Zukunft? Der Musikdramaturg lacht: "Für die Zukunft hab ich grad keine Zeit. Meine Gegenwart ist so übervoll mit Neuem, das mich rasend interessiert. Mit der Zukunft befasse ich mich, wenn sie da ist."

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