Christina Bacher bei ihrer Lesung im Netanya-Saal. FOTO: JOU
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Christina Bacher bei ihrer Lesung im Netanya-Saal. FOTO: JOU

Ein wahrer Kriminalfall

  • vonSascha Jouini
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Christina Bacher präsentiert beim Krimifestival ihren Marburg-Krimi "Hinkels Mord". Der basiert auf einem wahren Fall und verbindet spannend die Historie mit der Gegenwart.

Unter verschiedenen Aspekten schien die letzte Veranstaltung der Reihe "Eine(r) liest" am Sonntag im Netanya-Saal besonders spannend. Zum einen basiert Christina Bachers neuer Marburg-Krimi "Hinkels Mord" auf einer wahren Geschichte. Akribisch recherchierte sie über den Mord an der Tagelöhnerin Dorothea Wiegand 1861 am oberen Dammelsberg. Ihre Lesung spickte sie mit Hintergrundinformationen zu dem Fall. So sei die Hinrichtung des mutmaßlichen Mörders Ludwig Hilberg, eines Schuhmachers, ein Spektakel gewesen, das viele Schaulustige angezogen habe. Der alte Scharfrichter, der Hilberg mit dem Schwert hinrichtete, habe eigens dafür trainieren müssen; die Todesstrafe war zu jener Zeit selten geworden. Immer wieder streute Bacher solche Details ein und führte die mysteriöse Geschichte so lebhaft vor Augen.

Faszinationskraft barg zudem Bachers Ortskenntnis, hatte sie doch in Marburg studiert und zu dem Fall bereits ein Hörspiel geschrieben; seitdem ließ er sie nicht mehr los. Außerdem verknüpft die Autorin die historischen Ereignisse geschickt mit einer zweiten Handlungsebene, die den Bogen in die Gegenwart schlägt: Die wie Bacher in Köln lebende Journalistin Liva Lohrey begibt sich auf Spurensuche in ihrer alten Heimat. Ihr Bruder Alexander, ein Geschichtsstudent, hatte Nachforschungen zum Mord an Dorothea Wiegand angestellt und war vor drei Jahren verschwunden. Womöglich hat er etwas über die Nachkommen der Beteiligten herausgefunden, was er nicht wissen sollte. Liva befragt seine Ärztin und erfährt, dass er sich für Genogramme interessierte, speziell dafür, wie Traumata das Erbgut verändern können.

Wie Bacher gegenüber dem Publikum anmerkte, seien Geschichten nie zu Ende erzählt, deshalb habe sie den Bogen zur Jetztzeit gespannt. Zusammenhang stiftet auch die Personenkonstellation - Liva habe durch ihr Journalismus-Studium neben ihrer Schwesterrolle einen weiteren Zugang zum Thema, betonte die Autorin.

Faszinierende Ortskenntnisse

Schon die historischen Ereignisse für sich genommen fesselten. Zu Beginn des Romans sehnt die Tagelöhnerin im Sommer 1861 die Hochzeit mit dem Schuhmacher herbei. Gegen seinen Willen möchte sie das gemeinsame Kind zur Welt bringen. Er lockt sie auf den Dammelsberg, danach sieht sie niemand mehr lebend. Erst am 12. September entdeckt ein Mann ihre Leiche. Ludwig Hilberg wird festgenommen. Viele Zeugen haben ihn gesehen, die Beweislage ist erdrückend.

Doch endet die Geschichte damit nicht. Der Häftling verliebt sich im Hexenturm, durch Mauern getrennt, in die Mitgefangene Katharina, von der er nur die Stimme hört. Dies unterstreicht die geheimnisvolle Note. In Atem zu halten vermochte auch, wie dramatisch Bacher die Beichtszene schildert, in der sich der Schuhmacher gegenüber dem Pfarrer schuldig bekennt.

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