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Vor dem Rathaus kritisiert OB-Kandidat Alexander Wright (r.) vor allem die Verkehrspolitik der CDU.

Kommunalwahl 2021

Grüne in Gießen: Wahlkampf auf zwei Rädern

  • vonChristian Schneebeck
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Statt am Wahlkampfstand in der Fußgängerzone, diskutieren die Grünen bei einer Sonntagstour auf dem Fahrrad über die Zukunft des Radverkehrs in Gießen.

Eine Stunde radeln sich die Grünen warm, bevor sie die heißen politischen Eisen anfassen. Ziemlich genau so lange sind die knapp 50 Teilnehmer der Fahrt »Mit Rad und Tat für Gießen« am Sonntagmittag schon unterwegs, als sie den Berliner Platz erreichen. Hier ergreift Alexander Wright das Wort. »Es hat ja fast satirische Anmutungen, wenn ausgerechnet wir die Verkehrspolizei verteidigen«, spottet der Kandidat für die Oberbürgermeisterwahl. Seine Zuhörer klatschen - und eine bisher eher gemütliche Spritztour fühlt sich plötzlich nach echtem Wahlkampf an.

Wright spricht über die Radverkehrsplanungen für den Anlagenring und die Neuen Bäue. Beide haben öffentlich gerade wieder hohe Wellen geschlagen. Besonders in der Nachricht, dass die Verbindung zwischen Berliner Platz und Markplatz samt ihrer Nebenstraßen nach einer Stellungnahme der Verkehrspolizei und unterschiedlichen Ansichten in der Gießener Regierungskoalition nun vorerst doch nicht zur Fahrradzone werden soll, sehen die Grünen eine Bestätigung ihres Kurses. Die Verkehrspolizei hatte einen städtischen Entwurf dafür im Juli als unzureichend eingeschätzt. »Mehr oder weniger nur neue Schilder aufzustellen«, wie es die Pläne von Bürgermeister und Verkehrsdezernent Peter Neidel (CDU) vorgesehen hätten, reiche eben nicht aus, betont Wright. Notwendig seien »umfangreiche bauliche Maßnahmen«, die für Radler und Fußgänger gleichermaßen Verbesserungen brächten. Ohnehin seien Ideen für die Neuen Bäue immer abzustimmen mit solchen für Neustadt und Markstraße.

Noch Potential in Sudetenlandstraße

Die sich vorsichtig abzeichnende Mehrheit im Stadtparlament für einen Verkehrsversuch auf dem Anlagenring deuten die Grünen unterdessen nicht zuletzt als ihren Erfolg. Er sei froh, »dass das Thema vor der Kommunalwahl abgeräumt« sei, sagt Wright. Seine Partei präferiert ein Modell mit beidseitig je einer Rad- und Busspur. Einen entsprechenden Antrag hatten Grüne und SPD unlängst gemeinsam im Verkehrsausschuss eingebracht.

Abseits der beiden großen Aufregerthemen liefert die Sonntagstour vor allem eine Art Bestandsaufnahme. Sie beginnt und endet am Oswaldsgarten, wo Michel Zörb den Dammdurchstich einen »tollen Fortschritt« nennt. Weniger erfreut zeigt man sich über die Situation in der Sudentenlandstraße, wo Rad und Auto idealerweise baulich getrennt unterwegs sein sollten. Und auch die Etappe in Richtung Wieseckaue offenbart aus Sicht der Teilnehmer wenig Platz für Radler, aber jede Menge Optimierungspotenzial.

Stadtpark als Musterbeispiel

Den Stadtparkt lobt Wright als Musterbeispiel zukunftsweisender Infrastrukturpolitik. Aufenthaltsqualität und ökologische Vielfalt habe man mit der Umgestaltung parallel erhöht - und dabei praktisch keine freien Flächen versiegelt. Positiv blickt auch Gerda Weigel-Greilich am Schwanenteich, dem nächsten Stopp, auf einige Maßnahmen rund um die Landesgartenschau zurück. Weiter geht’s zum Rathaus und auf den Brandplatz. Dort referiert Fabian Mirold-Stroh über die autofreie Innenstadt. Tenor: »Um etwas zu erleben, sollte man in die Stadt kommen und nicht aus ihr herausfahren müssen.«

Die beiden nächsten politischen Rad-Rundfahrten führen den Stadtverband der Grünen und alle Interessierten am Sonntag, 28. Februar, in die Südstadt und am 7. März in den Gießener Osten. Die Teilnehmer treffen sich jeweils um 11 Uhr, und zwar am Elefantenklo (28. Februar) beziehungsweise auf dem Platz vor dem Unihauptgebäude (7. März).

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