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Die kleine Gruppe "Students for Future" konnte zwar 1300 Unterschriften für ihre Nachhaltigkeits-Initiative sammeln, aber nur etwa 40 Interessierte bei der ersten JLU-"Vollversammlung" seit Jahren begrüßen. Foto: Schepp

Wächst Politik-Interesse der Studierenden?

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Gießen(kw). Nur noch regionale Lebensmitel in den Mensen, höchstens zweimal in der Woche Fleisch, weniger Parkplätze, eine Seilbahn vom Bahnhof zu den Uni-Standorten: Eine lange Liste von Forderungen für mehr Nachhaltigkeit an der Justus-Liebig-Universität hat die Gruppe "Students for Future" aufgestellt. Diskutiert und letztlich verabschiedet wurden sie am Donnerstag bei der ersten Studierenden-"Vollversammlung" seit Jahren. Mit etwa 40 Teilnehmerinnen und Teilnehmern war diese allerdings spärlich besucht.

Immerhin 1300 Unterschriften hatte die kleine Gruppe - sie umfasst fünf bis zehn Aktive - in den letzten Wochen gesammelt. Dabei hätten sich viele "begeistert" über die Initiative geäußert, berichteten Adrian Rühl, Magnus Färber und Sophie Müller. Die Zahl reichte freilich nicht ganz aus, um die Fünf-Prozent-Grenze zu knacken: 1400 Unterschriften wären nötig gewesen für die offizielle Einberufung einer Vollversammlung durch die studentische Basis. Der Allgemeine Studierendenausschuss sprang als Veranstalter ein.

Erst am Vortag habe die Uni-Verwaltung einen Raum am Heinrich-Buff-Ring zur Verfügung gestellt. Auch auf diese organisatorischen Schwierigkeiten führen die "Students for Future" die geringe Resonanz zurück.

Insgesamt sei das Thema Klimaschutz zwar bei der JLU-Leitung "angekommen", doch es passiere zu wenig, sagten die drei Vertreter. Nicht vom Präsidium, sondern von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern seien zwei Gruppen gegründet worden, die sich mit dem Thema befassten: Die "Scientists for Future" sowie eine "Klima-AG", die mehr Umweltschutz erreichen will etwa bei Dienstreisen, beim Heizen oder bei der Gestaltung von Grünflächen.

Die unter Studierenden gesammelten und nun diskutierten Forderungen umfassen ebenfalls sämtliche Bereiche des Hochschullebens. Der Klimawandel müsse "Priorität" bei allen Aktivitäten haben, heißt es. Dabei seien auch die Stadt, die THM und stellenweise das Land gefragt. Schnellere Busverbindungen und mehr Radwege seien ebenso nötig wie eine bessere Betreuung der Leihräder, mehr und günstigere vegane Mahlzeiten in den Mensen oder Solaranlagen auf allen Uni-Gebäuden.

Weniger Parkplätze und Fleisch

Warum es seit mindestens fünf Jahren keine allgemeine Vollversammlung mehr an der JLU gegeben hat, konnte der neu gewählte AStA auf GAZ-Anfrage nicht sagen. Vermutlich sind sie wegen des geringen Interesses "eingeschlafen". Regelmäßig gebe es themen- oder gruppenspezifische Versammlungen, erklärt Emely Green vom Referat für Öffentlichkeitsarbeit.

Für die Zukunft wolle der AStA die Studierendenschaft wieder mehr in seine Tätigkeiten und Beschlussfassungen einbeziehen. Neben Vollversammlungen seien dabei auch Online-Befragungen und andere Formen der Kontaktaufnahme denkbar.

Insgesamt sieht das Gremium eine allmähliche "Politisierung sowohl in der gesamten Gesellschaft, aber auch spezifisch an den Hochschulen, was wir ausdrücklich begrüßen". Gründe für das wachsende Interesse seien Probleme wie die Unterfinanzierung der Bildung, steigende Mieten "und vor allem Klimafragen", sagt Emely Green.

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