Max George (rote Jacke) bekommt von dem Team um Angela Sumner (2.v.l.) und Stephen Foose (l.) die erhoffte Hilfe bei der Registrierung. FOTO: CSK
+
Max George (rote Jacke) bekommt von dem Team um Angela Sumner (2.v.l.) und Stephen Foose (l.) die erhoffte Hilfe bei der Registrierung. FOTO: CSK

Qual vor der Wahl

"Vote From Abroad" will in Gießen lebende Amerikaner zum Wählen bewegen

  • vonChristian Schneebeck
    schließen

Jede Stimme zählt. Aber vor dem Votum kommt in den USA die Registrierung - und die kann Tücken bergen. Die Initiative "Vote From Abroad" hat am Samstag im Seltersweg Amerikaner informiert.

Bei Nieselregen und kaltem Wind greift Max George zu seinem Smartphone. Zielstrebig, vielleicht sogar wild entschlossen, hat der 21-Jährige gerade den Infostand von "Vote From Abroad" angesteuert. Denn nicht nur für die USA geht es bald um eine ganze Menge. Natürlich bedeute der Wunsch, Donald Trump loszuwerden, eine große zusätzliche Motivation, sagt George. Weil der Gießener neben der deutschen auch die US-amerikanische Staatsbürgerschaft hat, darf er an der Präsidentschaftswahl am 3. November teilnehmen. Vor dem Votum steht allerdings noch die Registrierung. Und hier kommen Angela Sumner und ihre Mitstreiter ins Spiel. Sie helfen Landsleuten am Samstag im Seltersweg dabei, an die notwendigen Unterlagen zu gelangen, und informieren über die Wahl. Wahlkampf machen sie ausdrücklich nicht.

Bis zu 1500 US-Bürger in Region

Ob das Team nun Trump oder Herausforderer Joe Biden die Daumen drückt, ist trotzdem leicht zu erkennen. "Our heart tends to the one, but we are not allowed to tell", meint Sumner einmal. "Vote From Abroad" ist überparteilich, wurde jedoch von den "Democrats Abroad", einer Untergruppe der Demokratischen Partei im Ausland, gegründet. Die Kampagne will zum Wählen animieren - und zwar Republikaner ebenso wie Demokraten. Die "Democrats Abroad" Gießen und Marburg existieren seit Februar. In der Region rechnen sie mit 1000 bis 1500 US-Amerikanern.

Das Ding ist bloß: Woran erkennt man die, wenn sie samstags durch die Stadt spazieren? Wahllos ansprechen können Sumner, Stephen Foose, Gudrun Rapp-Chase und Dirk Zschocke jedenfalls niemanden. So hilft nur Ausharren, bis Interessenten von sich aus stehen bleiben.

Das passiert auch immer wieder einmal. Ein Mann diskutiert über Kommunalpolitik, ein anderer über Trumps Auftritte im TV. Eine Frau möchte partout nicht betteln, dann aber doch unbedingt ein Schokobonbon ergattern. Wer vom Ausland aus wähle, spüre denkbar wenig von den Konsequenzen, gibt ein Passant zu bedenken. "Kann ich bei euch wählen?", hat ein anderer zuvor gefragt.

Viele Regelungen zur Registrierung

Den US-Pass besitzt niemand, der zwischen 11 und 13.30 Uhr vorstellig wird. Zu Beginn der Aktion, um kurz nach 9, habe man bereits "dreieinhalb" Wählern assistiert, berichtet Foose. Drei seien jetzt registriert, eine Frau eventuell. Generell seien Amerikaner oft weniger für Politik zu begeistern als Deutsche. Kämen die Bürger hierzulande über kurz oder lang meist kaum an diesem oder jenem Thema vorbei, bestritten jenseits des Atlantiks etliche ein Leben, ohne sich je damit auseinanderzusetzen. In den USA gaben 60 Prozent der Berechtigten bei den Wahlen 2016 ihre Stimme ab, von den drei Millionen Staatsbürgern im Ausland waren es damals lediglich sieben Prozent.

Ein Grund mag das Prozedere rund um die Registrierung sein. Augenscheinlich existieren ungefähr so viele verschiedene Regelungen wie Bundesstaaten - also round about 50. Zum Beleg zückt Foose einen Schnellhefter samt passender Tabellen: Zahlen, Daten, Fristen. In Gießen sei ihr Stand der Erste seiner Art, sagen die "Vote From Abroad"-Mitglieder. Andere geplante Aktionen, etwa an der JLU oder bei Footballspielen, seien größtenteils den Corona-Einschränkungen zum Opfer gefallen.

Während der Abbau fast schon begonnen hat, bittet schließlich Max George um Rat. Online habe er sich "gefühlt zehn Stunden" an den Formalitäten versucht, erzählt der junge Mann, der im texanischen San Antonio geboren ist und im Alter von wenigen Tagen nach Deutschland kam. Mit dem Smartphone könnte er sich an Ort und Stelle sofort anmelden. Dafür fehlt ihm aber eine aktuelle oder ehemalige Adresse in den USA. George zieht unverrichteter Dinge ab, dafür mit allen notwendigen Infos. Zu Hause will er sich noch heute registrieren.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare