Vorwurf: Sanierung vernachlässigt

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Gießen(pm). Der in der 91. Verbandsversammlung des Zweckverbandes Mittelhessischer Wasserwerke (ZMW) verabschiedete Wirtschaftsplan 2020 schließt im Vermögensplan in Einnahmen und Ausgaben ausgeglichen bei 15,77 Millionen Euro ab. Der sogenannte "Erfolgsplan" allerdings weist bei 25,92 Millionen Erträgen und Aufwendungen von 26,84 Millionen Euro ein "negatives Jahresergebnis" von 924 000 Euro aus.

"Daran wird deutlich, dass der Verband, ein Zusammenschlusses der mittelhessischen Wasserwerke aus den Landkreisen Marburg-Biedenkopf, Gießen, Lahn-Dill und Vogelsberg, die Sanierung seines Leitungsnetzes viel zu lange vernachlässigt hat und sich jetzt gezwungen sieht, größere Beträge zu investieren, um den rapiden Verfall der Anlagen zu stoppen", sagt der Sprecher der Initiative "Bürger für gerechte Wasserpreise", Stefan Kaisers. Er verweist darauf, dass der ZMW einen beträchtlichen Wasserverlust von 4 Prozent der 22 Mio. Kubikmeter (das heißt 880 000 Kubikmeter) geförderten Trinkwassers beklage. Die Initiative ist der Auffassung, dass die marode Substanz seines Leitungssystems der ZMW schon lange bekannt gewesen sei, weshalb er vor Jahren schon ein systematisches Sanierungsprogramm hätte auflegen müssen. Wenn technische Anlagen ein halbes Jahrhundert ihren Dienst getan hätten, sei eine Instandsetzung überfällig. Mit vorausblickender Unternehmensstrategie habe das Vorgehen des ZMW also nichts zu tun.

Ökologische Bedenken

Statt Geld in die Leitungsnetzerneuerung zu investieren, habe der ZMW erhebliche Mittel in die neue Wasserleitung durch das Kreisgebiet Gießen gesteckt. Damit soll Trinkwasser aus dem Bereich Vogelsberg/Burgwald in das Verbundnetz der OVAG und dann weiter nach Frankfurt geleitet werden. Von den gegenwärtig schon 3,4 Millionen Kubikmeter pro Jahr soll der Export auf mindestens 5 Millionen Kubikmeter gesteigert werden.

Der Zweckverband bezeichnet das Vorhaben als "ökologisch höchst umstritten", weil es schon jetzt zu Grundwasserabsenkungen in den sensiblen Fördergebieten Burgwald und Vogelsberg geführt habe. Auffällig sei dabei, dass die Wasserkunden der Mainova in Frankfurt deutlich weniger für ihr Trinkwasser zahlen müssten als die Kunden in Mittelhessen. Der ZMW subventioniere also die Wasserkunden in Frankfurt, weshalb es fraglich sei, ob und wann sich der Wasserverkauf nach Frankfurt für den ZMW rentieren werde.

Eigentlich verlange das Wasserhaushaltsgesetz (WHG) in Paragraf 50, dass der Wasserbedarf der öffentlichen Wasserversorgung "vorrangig aus ortsnahen Wasservorkommen" zu decken ist. Doch davon wolle man im Rhein-Main-Gebiet nichts hören. Dort würden, trotz steigendem Wasserverbrauchs, immer mehr Brunnen geschlossen, weil die Flächen überbaut würden und man Trinkwasser aus Mittelhessen kostengünstig beziehen könne, heißt es in der Mitteilung.

Die Initiative "Bürger für gerechte Wasserpreise" mahnt auch mehr Transparenz beim ZMW an. Das gelte insbesondere für die Höhe der Bezüge des Führungspersonals. Obwohl der Verband laut Satzung eine öffentliche Einrichtung sei, würden die nicht unbeträchtlichen Kosten für die Chefetage unter Verschluss bleiben. Eine Offenlegungspflicht besteht laut HGO nur dann, wenn ein Verbandsmitglied mehr als 25 Prozent Anteile hält, was beim ZMW nicht der Fall ist.

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