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Das Landgericht

Vorwurf des Missbrauchs nicht haltbar

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Gießen(se). Die für eine Verurteilung notwendige Sicherheit sah das Gericht nicht. Ein 32-jähriger Mann aus Herne war des sexuellen Missbrauchs eines Kindes in drei Fällen angeklagt; doch wegen dieses Deliktes wurde er nicht verurteilt. Zwar war das Opfer zum Zeitpunkt der sexuellen Kontakte mit dem Mann im September und Oktober 2019 erst 13 Jahre alt, doch gab es nach Auffassung des Gerichts Grund für den Angeklagten, zu glauben, dass das Mädchen bereits älter gewesen sei. Einerseits hatte sie im Chat, durch das sie den Mann kennengelernt hatte, ihr Alter mit 15 Jahren angegeben, andererseits habe der Mann wegen ihres Aussehens auch davon ausgehen können, dass sie so alt sei.

Tatort war das Kraftfahrzeug des Mannes, mit dem er Rödgen bzw. Großen-Linden angesteuert hatte. Vom Vorwurf des sexuellen Missbrauchs von Kindern sprach die Erste große Strafkammer des Landgerichts Gießen unter dem Vorsitz des Richters Andreas Wellenkötter den Mann frei. Der 32-Jährige kam dennoch nicht ungeschoren davon. So waren mit Einverständnis des jungen Mädchens in zwei Fällen von den sexuellen Handlungen Videoaufzeichnungen erstellt worden, die der Angeklagte - diesmal ohne Zustimmung - einem Bekannten via Handy zuschickte. Darüber hinaus hatte der Angeklagte sein Opfer und zwei weitere Mädchen aus der Wohngruppe mit Marihuana versorgt.

Während der Mann diesen Tatvorwurf nicht einräumte, zeigte er sich bei den anderen Delikten geständig. Das wirkte sich positiv auf die Strafe aus: zehn Monate Haft auf Bewährung (drei Jahre), lautete das von Wellenkötter verkündete Urteil. Der 32-Jährige muss außerdem 1000 Euro an das Opfer zahlen. Für den Angeklagten sprach auch, dass er strafrechtlich bislang nicht in Erscheinung getreten ist. Außerdem legte sein Rechtsanwalt Frank Richtberg dem Gericht eine Bescheinigung des letzten Arbeitgebers vor, wonach der Mann nach Haftentlassung wieder eingestellt werde. Da der Haftbefehl gegen den seit Oktober in Untersuchungshaft einsitzenden Mann aufgehoben wurde, könnte dieser zeitnah wieder für das Unternehmen tätig werden.

Unter den Zuschauern befanden sich auch die Eltern des Angeklagten, die ihn nach dem Prozess in Empfang nehmen. Die Ehefrau des Mannes, mit der er einen dreijährigen Sohn hat, war über die Eskapaden ihres Gatten alles andere als erbaut, wie dieser einräumte. Ob er zu ihr zurückkommen könne, ließ der Mann offen. Mit Blick auf seine Ehe und seine Familie bedauerte er die Tat. Richter Wellenkötter vermisste allerdings einen Hinweis auf die Geschädigte. "Sie haben sie mit keinem Wort erwähnt." FOTO: KHN

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