Der Bau der Kletterhalle an der Rödgener Straße hat den Verein lange finanziell schwer belastet. FOTO: SCHEPP
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Der Bau der Kletterhalle an der Rödgener Straße hat den Verein lange finanziell schwer belastet. FOTO: SCHEPP

Vorstandssitzungen mit Trüffelkäse und Barolo?

  • Marc Schäfer
    vonMarc Schäfer
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Gießen(mac). Vorstandssitzungen mit Trüffelkäse und Barolo? Lachshäppchen für den Bistro-Verkauf der Kletterhalle? Besprechungen mit Sushi und Hähnchen in Aspik? Und wer hat eigentlich die Tabakwaren im Wert von 635 Euro geraucht? Im Gerichtsstreit zwischen der Sektion Gießen-Oberhessen des Deutschen Alpenvereins und ihrem ehemaligen Vorsitzenden Gunnar Theiß sind am Montagmorgen vor dem Gießener Landgericht viele Fragen offengeblieben. In dem Verfahren geht es um "mannigfache Beträge und Verwendungszwecke", wie Richterin Sophia de Néve betonte, und um die übergeordnete Frage, ob der ehemalige Vorsitzende der Sektion in den Jahren 2015, 2016 und 2017 Vereinsgelder satzungsgemäß verwendet oder sich auf Kosten des Vereins und seiner Mitglieder bereichert hat.

Das jedenfalls wirft der neue Vorstand der Sektion dem langjährigen Vorsitzenden vor und fordert daher Schadenersatz in Höhe von etwa 110 000 Euro, die Theiß dem Verein aus "vorsätzlich unerlaubter Handlung" schulde. Auch von der ehemaligen Kassenwartin der Sektion fordert der Alpenverein Schadenersatz - in diesem Fall 6400 Euro.

Theiß, der sich am Montag als Anwalt selbst vertrat, weist die Vorwürfe weiterhin zurück, da die Ausgaben aus seiner Sicht nicht zu privaten Zwecken getätigt worden, sondern für Verein und Vereinszweck angefallen seien. Bis Mitte August hat er nun Gelegenheit, auf die ihm vorgehaltenen Kontobelastungen und Abhebungen, für die laut Alpenverein Belege fehlten oder zumindest keine Rechtfertigungen aus Vereinsgründen zu finden seien, zu reagieren und deren Rechtmäßigkeit nachzuweisen. Eine Entscheidung will das Gericht am 7. September präsentieren.

Laut Richterin de Néve liegt ein großer Schwerpunkt der strittigen Ausgaben auf Lebensmitteln und alkoholischen Getränken, für Theiß kein Problem. Der neue Vorstand werde doch wohl auch nicht bei Milch und Honig tagen, gab er lapidar zu bedenken. Auf einigen Kontoauszügen sei lediglich "Rewe sagt Danke!" zu lesen, die Erklärung, für was und für welchen Zweck dort eingekauft worden sei, sei der Vorsitzende in vielen Fällen bislang aber schuldig geblieben, hieß es vom Anwalt des Alpenvereins. Mit Spannung erwartet die Gegenseite sicherlich auch, wie Theiß regelmäßige Ausgaben in einem Fast-Food-Restaurant auf der Strecke zwischen Gießen und seinem Wohnort erklären will.

Aufgefallen waren die laut Alpenverein "erheblichen finanziellen Unregelmäßigkeiten", die letztlich zur Schadenersatzklage geführt haben, bei einer Prüfung der Unterlagen durch den neuen Vorstand nach der Abwahl von Theiß im Jahr 2017. Neben der Schadenersatzklage läuft gegen den ehemaligen Vorsitzenden auch noch eine Strafanzeige wegen Untreue. Außerdem will der Gesamtvorstand ihn aus dem Verein ausschließen.

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