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Die Verbraucherzentrale in der Südanlage 4 neben der Kongresshalle ist derzeit für den Publikumsverkehr geschlossen. FOTO: RSC

Vorsicht, Abzocke!

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Fühlt sich ein heimischer Verbraucher über den Tisch gezogen, kann er sich in vielen Fällen bei der Verbraucherzentrale in der Südanlage Rat holen. Doch das ist in Corona-Zeiten nicht so einfach.

Um die Verbreitung des Coronavirus einzudämmen, sind die Beratungsstellen der Verbraucherzentrale Hessen derzeit geschlossen. Susanne Pertermann, leitende Beraterin der Stelle in der Südanlage 4, informiert deshalb hier über die häufigsten Verbraucherfallen.

Hinter den billigsten Schnäppchen und den größten Gewinnversprechen stecken oft üble Tricks, mit denen gutgläubigen Verbrauchern das Geld aus der Tasche gezogen werden soll. Ob zu Hause, unterwegs, am Telefon oder im Internet - überall sind Verbraucher gefordert, sich vor unseriösen Angeboten zu schützen. So war einer hessischen Verbraucherin bei einem Werbeanruf mitgeteilt worden, dass sie am "dm-Gewinnspiel" auf Instagram teilgenommen und einen "Rewe-Einkaufsgutschein" im Wert von 100 Euro gewonnen habe. Zum Datenabgleich würde sie gleich einen weiteren Anruf erhalten. Ob sie damit einverstanden sei, wurde sie gefragt. In diesem zweiten Telefonat wurde ihr ein Zeitschriftenabonnement angeboten. Sie erfuhr, dass sie den Rewe-Gutschein nur erhalte, wenn sie das Abo abschließe. Obwohl die Frau gar keinen Fernseher besaß, bestellte sie in ihrer Aufregung jedoch trotzdem die "Hörzu".

"Das ist nur einer von vielen Fällen, die uns tagtäglich erreichen", sagt Pertermann. "Immer wieder schildern uns Verbraucher, wie sie auf die eine oder andere Art übers Ohr gehauen wurden. Mich ärgert so etwas. Oftmals können wir die Verträge rückgängig machen und das Geld zurückholen." Manchmal gibt es dafür aber keine rechtliche Handhabe. Umso wichtiger ist es, typische Kostenfallen schon im Vorfeld zu erkennen. "Dann lassen sich Ärger vermeiden und Geld sparen", erklärt Pertermann weiter.

Diese sind die fünf häufigsten Kostenfallen:

Plötzliche Änderung des Energieanbieters. Immer wieder werden Verbrauchern unbemerkt Strom- und Gasverträge untergeschoben. Am Telefon oder an der Haustür nehmen Vermittler Kontakt auf. Im Gespräch geht es zwar um Energie und womöglich konkrete Tarifangebote. Zugleich fragen diese Vermittler aber Daten ab, die für einen Anbieterwechsel benötigt werden. Dass der Vermittler im Namen des Verbrauchers einen Wechsel einleiten will, macht er dabei nicht deutlich. Die Betroffenen erfahren davon oft erst nachträglich - aus der Auftrags- oder Kündigungsbestätigung.

Zu lange Vertragslaufzeiten. Fitnessverträge, Partnervermittlungsverträge, Zeitschriftenabonnements oder auch Telefonverträge: Zu guten Konditionen bekommen Verbraucher oft nur Verträge mit einer zweijährigen Laufzeit angeboten. Und die verlängern sich automatisch um ein weiteres Jahr, wenn der Verbraucher sie nicht rechtzeitig kündigt. Das wird von vielen schlicht übersehen oder gerät wieder in Vergessenheit, sodass sie länger als gewollt an ihren Vertrag gebunden sind.

Telefonwerbung gegenüber Verbrauchern ohne deren vorherige ausdrückliche Zustimmung ist rechtlich unzulässig. Sie wird mit einem Bußgeld von bis zu 300 000 Euro belegt. Trotz dieses Verbots halten die Verbraucherbeschwerden zu unerlaubter Telefonwerbung weiter an. Unseriöse Anbieter nutzen diese Anrufe häufig, um Verbrauchern ungewollte Zeitschriftenabos oder andere Verträge unterzuschieben.

Inkassokosten sind häufig zu hoch. Viele Inkassounternehmen machen selbst dann, wenn ihre Tätigkeit nur im Versenden eines Mahnschreibens besteht, Kosten von über 70 Euro geltend. Sie berufen sich dabei auf einen gesetzlichen Gebührenrahmen, der gewisse Spielräume lässt. Die geforderten Beträge erscheinen jedoch oft deutlich überhöht und unangemessen. Ein weiteres Problem: Verbraucher sehen sich immer wieder Inkassoforderungen gegenüber, obwohl sie sich selbst gar nicht darüber bewusst sind, dass sie überhaupt in Verzug geraten sind. Häufig sind diese Forderungen unberechtigt.

Viele Infos auf der Homepage

Das Geschäft mit den Notdiensten. Unseriöse Handwerks- und Dienstleistungsbetriebe nutzen Notlagen von Verbrauchern aus. Sie verlangen für häufig unsachgemäß durchgeführte Leistungen völlig überhöhte Beträge und drängen ihre Kunden zu einer sofortigen Bezahlung. Preise für eine einfache Türöffnung von über 1000 Euro sind keine Seltenheit. Auch andere Bereiche wie die Schädlingsbekämpfung oder die Rohrreinigung fallen durch unsachgemäße Arbeiten und unverhältnismäßig hohe Geldforderungen auf.

Weitere Informationen gibt es bei den Verbraucherzentrale derzeit online unter www.verbraucherzentrale-hessen.de/beratung-he. Wer telefonisch einen Beratungstermin vereinbaren möchte, wählt 069/97 20 109 00.

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