Auch wenn sie auf einer Fahrradstraße unterwegs sind, müssen diese Radler dem Autofahrer an der Ecke Goethestraße/Lonystraße Vorfahrt gewähren. FOTO: SCHEPP
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Auch wenn sie auf einer Fahrradstraße unterwegs sind, müssen diese Radler dem Autofahrer an der Ecke Goethestraße/Lonystraße Vorfahrt gewähren. FOTO: SCHEPP

Ist "Vorrang" gleich Vorfahrt?

  • Karen Werner
    vonKaren Werner
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Gießen(kw). "Fahrräder haben Vorrang!" Auf großen Transparente erklärt die Stadt die Grundregel der neuen Fahrradstraßen. Doch was heißt das konkret für die Goethestraße, Lony- und Löberstraße? Jedenfalls nicht, dass Radfahrer bei der Begegnung mit Autos immer Vorfahrt haben. Im Gegenteil: An den Einmündungen nahe der Wieseck müssen alle Beteiligten jetzt besonders gut aufpassen.

Neue Regeln an drei Kreuzungen

Gießens erste Fahrradstraßen sind keineswegs autofreie Zonen. Das Zusatzschild "Kfz frei" sorgt für Verkehr fast wie bisher. Rechtlichen "Vorrang" genießen Radler unter anderem dadurch, dass sie jederzeit nebeneinander fahren dürfen. Kraftfahrer müssen im Zweifelsfall hinterherzockeln. Sie gelten als "Gäste", die Radler weder behindern noch gefährden sollen.

An Kreuzungen allerdings gelten für alle die Vorfahrtsregelungen. Diese wurden an drei Stellen verändert. An der Einmündung Stephanstraße genießt der Verkehr durch die Goethestraße Vorrang. Dank Haltelinlien und "Fahrradstraße"-Piktogramm auf dem Asphalt dürfte diese Neuerung kaum zu übersehen sein.

Kniffliger ist die Situation allerdings an den beiden Kreuzungen der Goethesstraße mit der Lonystraße und der Löberstraße. Dort galt bisher Vorfahrt für die Goethestraße, jetzt heißt es "Rechts vor links" - egal, ob man ein zwei- oder vierrädriges Vehikel steuert.

Zu erkennen ist das nicht ohne weiteres. Die weggefrästen Haltelinien sind noch sichtbar, hinzu kommt Rätselraten über den Radler-"Vorrang". Vorsicht oder im Zweifelsfall Verständigung per Gestik ist also geboten.

Rechts vor links sei an diesen Ecken ein guter Kompromiss, weil auch Lony- und Löberstraße Fahrradstraßen geworden sind, erläutert auf GAZ-Anfrage Jan Fleischhauer vom Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC) Gießen. Derzeit fließt der Zweiradverkehr zwar vor allem durch die Goethestraße. Doch langfristig sollen entlang der Wieseck attraktive barrierefreie Verbindungen mit entsprechend viel Radverkehr entstehen. Als nächste Schritte zu diesem Ziel sind - wie berichtet - Radler-Querungen über den Berliner Platz und die Frankfurter Straße geplant.

Radfahrende Kinder unter acht Jahren sowie Inline-Skater müssen übrigens - wie anderswo - auch in Fahrradstraßen offiziell den Gehweg benutzen.

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