Professorin Susanne Herold bezeichnet die Lage am UKGM weiterhin als "dramatisch". FOTO: DPA
+
Professorin Susanne Herold bezeichnet die Lage am UKGM weiterhin als "dramatisch". FOTO: DPA

"Vorgaben zum Aktionsradius in Gießen sind wichtig"

  • Marc Schäfer
    vonMarc Schäfer
    schließen

Gießen(mac). Infektiologin Susanne Herold hält die jüngsten verschärften Vorgaben der Politik zur Eindämmung der Corona-Pandemie für richtig. Das sagte die Leiterin der Infektiologie am Universitätsklinikum Gießen-Marburg am Mittwoch in einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". "Die verkündeten Beschlüsse einschließlich der verschärften Vorgaben etwa zum Aktionsradius in Kreisen und Großstädten mit besonders hohen Inzidenzwerten über 200 - wie hier in Gießen - sind wichtig", sagte Herold.

Ob es sich bei dem Infektionsgeschehen um ein diffuses Geschehen oder um definierte Ausbrüche in Pflegeheimen handele, sei eigentlich unerheblich. Denn: "Wir spüren beides sehr bald in der Klinik mit einer Überlastung der Bettenkapazität", betonte die Gießener Wissenschaftlerin, die dem wissenschaftlichen Beirat des Robert-Koch-Instituts angehört, in der FAZ.

Die Lage am UKGM bezeichnete Herold als "dramatisch". Man bekomme die hohen Infektionszahlen gerade auch durch Ausbrüche in Pflegeeinrichtungen deutlich zu spüren. "Bisher haben wir keine wesentliche Entlastung seit dem neuerlichen Lockdown", erklärte Herold. Ganz im Gegenteil bereite man sich am Uniklinikum derzeit auf steigende Patientenzahlen vor. "Wir gehen davon aus, dass nach der Reisetätigkeit und den privaten Zusammenkünften zu Weihnachten und Silvester aller Erfahrung nach mit einer steigenden Infektionsaktivität zu rechnen ist. Wir wissen aus der Zeit der ersten Welle: Nach einer Ansteckung dauert es etwa zehn bis 14 Tage, bis Patienten bei uns in die Klinik beziehungsweise auf die Intensivstation gebracht werden."

Weiterhin steigende Zahlen befürchtet

Am Donnerstag wurden am UKGM 100 Covid-Patienten betreut, 45 davon auf den Intensivstationen. In der Regel müssen die Patienten dort beatmet werden. Kurz vor Weihnachten waren es schon mal 120. "Wir befürchten, dass die Zahl wieder steigt", sagte die Professorin für Infektionskrankheiten der Lunge.

Hinsichtlich der aktiven Fälle und der Inzidenz im Stadtgebiet ist ebenfalls keine Entspannung in Sicht. Am Donnerstag registrierte das Gesundheitsamt für die Stadt Gießen 869 aktive Corona-Fälle und eine Inzidenz von 235. Im gesamten Landkreis lag die Inzidenz bei 261,6 (2838 aktive Corona-Fälle.) Auch die Zahl der Todesopfer ist größer geworden. 144 Landkreisbewohner haben ihr Leben verloren. 15 mehr als am Vortag.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare