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Von Puppen und Parkplätzen

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Von: Dagmar Klein

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Sara Angius ist die Frau für »Deck Three«. © Dagmar Klein

Zur TanzArt-ostwest gehört seit den Anfängen vor 20 Jahren ein Site Specific Projekt, das an einem Ort außerhalb der Theaterbühnen stattfindet und mit dem das Festival eröffnet wird. In diesem Jahr steht das Parkhaus der Neustädter-Einkaufsmall im Zentrum. Es wird sogar mehrfach genutzt.

Die Site-Specific-Performance zur diesjährigen Tanzart choreografiert Sara Angius aus Braunschweig. Sie stammt aus Sardinien, dort sei Angius ein häufiger Name, erklärt sie in einer charmanten Mischung aus Deutsch und Englisch. Ihre Tanzausbildung erhielt sie in Mailand, wo sie auch das Studium der Kommunikationswissenschaft für Performing Arts absolvierte. Sie tanzte beim Ballett der Biennale Venedig unter der Tanzlegende Ismael Ivo, tourte mit der Gruppe bis Südamerika. Später erhielt sie die Chance beim Xie Xin Dance Theatre in Shanghai zu arbeiten. Sie gewann mehrere Preise für ihre Choreografien, auch beim renommierten Solo-Tanz-Wettbewerb in Stuttgart. Dort sah Jury-Mitglied Jan Pusch sie tanzen und engagierte sie 2013 als Tänzerin für das Staatstheater Braunschweig.

Ort für Übergang und Veränderung

Mit dem dortigen Intendantenwechsel wurde sie 2017 freischaffend als Tänzerin und Choreografin, behielt aber Braunschweig als Wohnort. Auch mit dem neuen Tanzdirektor Gregor Zöllig kooperiert sie seither, hat einige Choreografien für das Junge Theater erarbeitet, ebenso für die freie Szene der LOT-Theater Braunschweig und Hannover.

2019 begann sie Puppen beim Tanz zu nutzen, bei ihrem zweiten abendfüllenden Stück »Wallpaper«. Seither vertiefte sie die Recherche zum Puppen-Thema, hat ein Solo dazu kreiert und einen Film gedreht (www.saraangiusdance.net).

Die Einladung nach Gießen kam über eine Empfehlung der Braunschweiger Tanzassistentin Sue McDonald, die Tarek Assam in den ersten Jahren in Gießen zur Seite stand. Das Thema Parkhaus war für die Site Specific in Gießen vorgegeben. In ihrem Konzept betrachtet Angius ein solches Umfeld als »liminal space«, als Ort des Übergangs und der Veränderung. Solche Grenzüberschreitungen können ebenso räumlich wie mental verstanden werden. In ein Parkhaus fährt man hinein und geht hinaus, darin hält man sich normalerweise nicht auf, erklärt sie. Daher wird es einen Protagonisten geben, aus dessen Sicht die Situation dargestellt wird, so wie er sie vom Gefühl her erlebt.

Premiere von »Deck Three« ist am Sonntag, 29. Mai, um 11 Uhr. Es folgt nur eine weitere Aufführung am Freitag, 3. Juni vor Pfingsten, ebenfalls 11 Uhr.

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