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Neben Kalkfelsen und Artenreichtum hat der Bergwerkswald nährstoffreiche Seen.

Von Frühaufstehern und Naturidylle

  • Daniel Beise
    VonDaniel Beise
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Sechs Uhr in der Früh. Kaffee, Balkon, Zigarette. Ein leichtes Morgenrot lässt mich auf besseres Wetter hoffen als angekündigt. »Besser« - warum eigentlich diese Umschreibung? Eine zutiefst menschliche Sicht. Für die Natur ist seit vielen Monaten oder in manchen Regionen gar Jahren wohl nichts besser als Regen. Und ein Sommergewitter kann doch sehr imposant sein.

7 Uhr am Bergwerkswald. Nordwestseite am Schwarzacker. Etwas durchgefroren und gleichzeitig geschwitzt - und doch froh, dass es aufgehört hat zu nieseln. Ich steige vom Fahrrad und krame meine Kamera aus dem Rucksack. Ein Jogger-Paar auf dem befestigten Weg am Waldrand. Ansonsten keine Menschenseele.

Ich mag das - so früh in den Tag zu starten, wenn noch vieles schläft. Nicht selten ernte ich irritierte Blicke dafür: »Hä?! Warum so früh wach?«

Jemand anderes ist allerdings verlässlich stets früher als ich. Das Konzert der Vögel klingt längst durch die Baumwipfel, über die sich nach und nach die ersten Sonnenstrahlen kämpfen und das saftige Frühlingsgrün anstrahlen.

Ich pirsche über den hügelig-verwinkelten Pfad, vorbei an wildem Totholz, knorzigen Eichen, üppigen Buchen, schimmernden Seen und bewachsenen Kalkfelsen. Immer mit einem Auge auf der Suche nach Perspektiven für Fotos. Idyllisch. Ruhig. Erdend.

Das Einzige, was die dezente Wald-Akustik etwas trübt, ist der zwar nicht penetrante, aber konstante Autolärm.

Dieses artenreiche Habitat hatte ich erst für mich entdeckt, kurz bevor ich für fünf Jahre nach Fulda gezogen bin. Eine Freundin von dort, die kürzlich nach Gießen gezogen und ebenso gern im Wald ist, hat sich sehr gefreut, als ich sie darauf hingewiesen hab, dass sie quasi Nachbarin vom Bergwerkswald ist. »Das ist fantastisch, was für ein toller Hinweis«, schrieb sie.

Auch ich wohne sehr gern in einer Stadt, wo man schnell in der Natur ist. Und vor allem im Wald und am Wasser. Das gibt im wahrsten Sinne des Wortes Kraft und Energie. Studien haben gezeigt, dass sich die kreative Lösungsfindung und Problembewältigung enorm erhöht, wenn man nur ein paar wenige Tage insbesondere im Wald ausspannt.

So hat auch erst kürzlich die Gießen Marketing GmbH den Wald als Ausflugstipp herausgegeben - dieses besondere und stadtnahe Kleinod, das seit 1955 unter Naturschutz steht und zudem eine spannende Bergbauhistorie hat. 2001 wurde es zudem in das Europäische Schutzgebietssystem als Flora-Fauna-Habitat-Gebiet aufgenommen.

Als ich den Wald wieder verlasse, waren es weit mehr als zehn Minuten. Ich wäre noch länger geblieben. Ein Jogger kommt mir entgegen - wahrscheinlich der zweite Mensch nach mir an diesem Morgen im Wald. (bei)

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