sila_220521_4c
+
Tijan Sila liest aus seinem neuen Roman »Krach«.

Vom Kriegsflüchtling zum Punk

  • Karola Schepp
    VonKarola Schepp
    schließen

Gießen (gl). »Ich kann nur über etwas schreiben, das ich kenne«, gibt Tijan Sila zu. 1981 in Sarajewo geboren und 1994 mit seiner Familie nach Deutschland emigriert, hat er im Punk seine emotionale Heimat gefunden. So wie der 18-jährige Gansi im Roman »Krach«, mit dem der Autor nun im Livestream des Literaischen Zentrums zu erleben war. Sila weiß noch allzu gut, wie es sich anfühlt, mit den Erlebnissen des Krieges belastet aufwachsen zu müssen.

Mit Akademikereltern, die höchste Erwartungen an ihren »Gammler«-Sohn haben. Mit Mitschülern, die ihn wegen seiner Klamotten und seinem Akzent mobben. Und mit Punk-Freunden, die den »Balkan-Toni« als einen der Ihren akzeptieren und keiner Nazi-Prügelei aus dem Weg gehen.

Auch Gansi findet im Roman im Punk seine Zuflucht, tourt wie der Autor mit seiner Band durch die Republik und wird durch seine Verliebtheit in die toughe Ursel und deren Nazi-Bruder auf die Probe gestellt. Erwachsenwerden als Punker mit bosnischen Wurzeln in den 90er-«Baseballjahren«, wie es Moderatorin Sandra Binnert nennt, war eben nicht einfach.

Noch bis Pfingstsonntag abrufbar

Tijan Sila beschreibt dies in »Krach«, einem weiteren Roman in seinem auf fünf Teile angelegten »Zyklus der Überlebenden« schonungslos, aber eben auch mit viel Humor. »Ich wollte nicht noch einen düsteren Roman schreiben«, erzählt er im LZG-Gespräch. Nach »Tierchen unlimited« und »Die Fahne der Wünsche« habe er Lust gehabt, etwas zu schreiben, wobei er Spaß habe.

Und Spaß haben auch die Zuschauer beim Live-Stream (trotz eines kurzzeitigen Bildausfalls), denn Sila plaudert unbekümmert von seinem Buch und seinem Leben zwischen Kriegsflucht und Punkkonzert. Er erzählt vom Rat seines Verlages, dass »der erste Satz im Buch knallen muss«; scherzt über seinen immer noch krassen Akzent mit einem rollenden »R«, dass er mittlerweile »fast wie ein Schweizer oder Holländer« klinge; und schwärmt vom Punk als Musik und Lebensgefühl. »Schreiben als Selbstfindung« - dem Berufsschullehrer und Autor Tijan Sila nimmt man das ab. Und für all jene, die den passenden Sound zum Buch suchen, hat Sila eine Spotify-Liste mit Punksongs zusammengestellt. Das Video der Lesung kann man noch bis Pfingstsonntag (18 Uhr) auf dem YouTube-Kanal des LZG (lz-giessen.de) sehen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare