Wort zum Sonntag

Vom Hörensagen

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Hiob ist eine biblische Figur, dessen Geschichte für großes Leiden, zugleich aber für einen unerschütterlichen Glauben steht. In diesen Tagen von Corona kommt er mir immer wieder in den Sinn. »Ich hatte von dir nur vom Hörensagen vernommen, aber nun hat mein Auge dich gesehen«, heißt es im Buch Hiob.

Hiob, denke ich, du hast Gott nicht nur vom Hörensagen gekannt. Wenn wir jemanden nur vom Hörensagen kennen, ist er uns fern. Du aber warst ein reicher Viehzüchter, von Gott gesegnet mit Kindern, selbst kerngesund. Über den dann die Katastrophen hereinbrachen. Zuerst wurden alle Tiere gestohlen, deine Arbeiter erschlagen. Deine zehn Kinder starben alle an einem Tag. Ist das die Tat eines menschenfreundlichen Gottes? Dann wurdest du krank. Warst scheinbar von Gott und den Menschen verlassen. Verzweifelt war deine Frau - und du auch. Du hast Menschen gebraucht, gerade die, die auch unsicher waren. Die die Fragen Gottes aushalten konnten - wie du auch. Vom Hörensagen allein geht das nicht.

Du hast an diesen Gott geglaubt. Als das Schicksal dich schlug, hast du dich nicht von Gott getrennt, sondern mit ihm gekämpft. Rede und Antwort sollte er dir stehen, warum er deine Frömmigkeit so schlecht belohne. Nein, so sieht kein Glaube aus, der nur auf Hörensagen beruht. Du hast etwas erlebt, was deine Gottesvorstellungen über den Haufen geworfen hat. Der lebendige Gott hat mit dir geredet. Und du hast erkannt, dass hinter allem Dunkel und allem Schmerz Gottes Größe verborgen ist. Da wurde dir klar, dass er an seinen Menschen festhält. Hiob, ich danke dir, dass du nicht lockergelassen hast, bis Gott endlich geantwortet hat. Denn jetzt weiß ich, seine Antwort an dich gilt auch mir. Gott hält uns fest - im Leben und Sterben. Das dürfen wir glauben - und nicht nur vom Hörensagen.

Pfarrer Norbert Heide, Dekan des Evangelischen Dekanats Grünberg

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