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Ben Goosen im Innenraum des Kunstkiosks.

Vom »Eckkonflikt« zum »Eckkonfekt«

  • VonDagmar Klein
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Gießen (dkl). Die Aktiven des Neuen Kunstverein Gießen machen unverdrossen weiter. Sie nutzen ihren besonderen Ausstellungsort, den einstigen Kiosk am Alten Friedhof mit seiner breiten Fensterfront, die das Betrachten der Kunst von außen möglich macht. Der aktuelle Künstler, Ben Goossen aus München, hat die Gelegenheit ergriffen und etwas Neues ausprobiert.

Dämmerung als idealer Zeitpunkt

Bislang gehört zu seinem Werk das Bauen von künstlichen Räumen wie Schaukästen, die von hinten beleuchtet werden. Die Oberflächen lässt er mal mit Schimmel bewachsen, züchtet Salzkristalle darauf oder lässt Tonoberflächen durch schnelles Abtrocknen reißen. Das fotografiert und filmt er dann, worüber er surreal bis unheimlich wirkende Räume erzeugt. Das lässt sich auf seiner Webseite nachvollziehen (www.ben-goossens.de). Er spielt also mit Größenverhältnissen.

Den Kunstvereinsraum nutzt er quasi als großen Kasten und verhängt die Fenster mit einem umlaufenden breiten Band, das künstlerisch gestaltet ist. Die Beleuchtung ist innen positioniert, der Betrachtungsstandort ist außen. Auch diesmal sind Dämmerung und Dunkelheit die besseren Tageszeiten, um es zu genießen. Das nahe Herangehen zeigt zwar die feinen Strukturen auf dem Papierband, gibt jedoch keine inhaltliche Klärung.

Im Pressegespräch erklärt es der Künstler. Für die Herstellung hat er Architekturelemente nachgebaut und halbtransparentes Architektenpapier daraufgelegt. Mithilfe von Unterdruck legt sich das Papier dicht an die Modellstrukturen, was er mittels feinem Farbsprühnebel festgehalten hat. In diesem Fall sind also Schaukasten und Oberfläche in realer Größe. Er wird seine Arbeit natürlich fotografieren und entsprechend seiner bisherigen Verfahren weiterbearbeiten, vielleicht zu einem künftigen Videofilm.

Und der Titel »Eckkonfekt«? Der darf an das Verkaufen von Süßigkeiten in einem Kiosk erinnern, nimmt also die Vergangenheit des Ausstellungsortes auf. Aber Goossen will mehr, er erinnert an einen Architekturbegriff, an den sogenannten Eckkonflikt beim Bau von Tempeln mit umlaufenden Säulen. Wenn man gleiche Abstände zwischen den Säulen halten wollte, gab es da nämlich einen Eckkonflikt, sagt er. Und die Ecksäulen müssten dann außerhalb der Reihe stehen. Vielleicht wie der Eckpfeiler beim Kunstvereins-Kiosk? Der steht auch schräg nach außen.

Ben Goossens wurde 1982 in München geboren, lebt und arbeitet bis heute dort. Er absolvierte eine Schreinerausbildung in Garmisch-Partenkirchen, studierte danach bis 2014 Bildhauerei und freie Kunst bei Professor Stefan Huber an der Akademie der Bildenden Künste München. Seit seiner Studienzeit ist er an Ausstellungen beteiligt, erhielt Stipendien. Nach Gießen holte ihn der Vorsitzende des Kunstvereins, Melchior Tacet. Sie lernten sich bei einem gemeinsamen Projekt in Basel kennen (»superquadra«).

Die Ausstellung läuft bis zum 1. Mai. Sollten es die Bedingungen zulassen, werden die Türen geöffnet. Das Künstlergespräch am Samstag, 10. April, findet online statt, siehe www.kunstverein-giessen.de.

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