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Doktorand Lucas Becker misst die Zellzahl des Bakterienstamms Cupriavidus necator.

Vom Aromastoff zur Krebstherapie

Gießen (pm). Viele Gegenstände, die wir im Alltag benutzen, sind Erdölprodukte. Sie gelten als umweltbelastend und wenig nachhaltig. Eine ökologische Alternative bietet die Bioökonomie, deren Produktionskonzept auf der Nutzung nachwachsender Rohstoffe beruht.

Mit diesem Thema befasst sich ein Forschungsprojekt der Technischen Hochschule Mittelhessen. Professor Dirk Holtmann vom Gießener Institut für Bioverfahrenstechnik und Pharmazeutische Technologie arbeitet dabei mit Phytowelt GreenTechnologies (Köln) zusammen. Ziel ist die Prozessentwicklung für die biotechnologische Terpenproduktion. Das Bundesforschungsministerium fördert das Projekt mit 640 000 Euro.

Terpene und die verwandten Terpenoide sind spezielle Stoffwechselprodukte. Für die chemische Industrie bergen sie ein enormes wirtschaftliches Potenzial. Sie können zum Beispiel als Aroma- und Geschmackstoffe dienen, sind in Pflanzenschutzmitteln, Körperpflege- oder kosmetischen Produkten enthalten. Viele sind auch für die Pharmaindustrie von Bedeutung und werden zur Behandlung von Infektionskrankheiten und in der Krebstherapie eingesetzt.

Der natürliche Terpengehalt in Pflanzen ist gering. Außerdem besteht zum Beispiel in der Aromaindustrie ein zunehmender Bedarf an Stoffen, die ohne eine konventionelle Synthese auf petrochemischer Basis auskommen. »Deshalb brauchen wir neue biotechnologische Produktionsverfahren sowie kostengünstige und auch im großtechnischen Maßstab leicht implementierbare Produktions- und Aufreinigungsverfahren«, erläutert Holtmann. »Die Verfügbarkeit optimierter Technologien wird auch die Produktion neuer geringpreisiger Produkte ermöglichen.« Die biotechnologische Produktion sei ressourcenschonend, weil sie fossile Rohstoffe ersetze und stattdessen biobasierte Rest- und Abfallstoffe nutze.

Bakterienstamm nutzen

Ergebnisse eines Vorgängerprojekts deuteten darauf hin, dass sich der Bakterienstamm Cupriavidus necator für die Produktion von Terpenoiden sehr gut eignet und auch eine industrielle Nutzung vielversprechend ist. Die Partner wollen auf dieser Basis ein Produktionssystem für das Terpen Humulen entwickeln. Humulen ist eine Aromaverbindung, die auch pharmakologisch interessant ist und zum Beispiel in Hopfen und der Cannabispflanze natürlich vorkommt.

Der Bakterienstamm und der gesamte Produktionsweg sollen optimiert und Produktproben zur weiteren Analyse bei Industriepartnern erzeugt werden. Darüber hinaus wollen die Forscher Cupriavidus necator als Plattform für die Produktion weiterer wertvoller Terpenoide wie zum Beispiel Carotinoide sowie pharmakologisch wirksame Substanzen etablieren. »Ein weiteres Projektziel ist die Erlangung von Patentrechten durch den Einsatz neuer Organismen, Gensequenzen und Prozessstrategien«, betont Dr. Guido Jach, der bei Phytowelt für das Projekt verantwortlich ist.

Das Forschungsvorhaben hat eine Laufzeit von drei Jahren. Es wird vom BMBF im Rahmen der »Nationalen Forschungsstrategie BioÖkonomie 2030« gefördert. Damit unterstützt das Ministerium Innovationen, die Umweltaspekte mit wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Interessen in Einklang bringen.

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