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Wolfgang Lust (links) führt die Besucher durch den Alten Schlachthof.

Ein Ort voller Leben

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Wo früher Tiere geschlachtet wurden, spielt sich heute das Leben ab. Das Vorhaben von Wolfgang Lust, dem alten Schlachthof seine bauliche Würde zu lassen, ihn dabei aber zu erneuern, hat ihm die Nominierung zum Denkmalschutzpreis des Landes eingebracht. Nun hat die Jury das Gebäude besucht.

Gerade einmal eine knappe halbe Stunde Zeit hat Wolfgang Lust, um sein Schmuckstück, den Alten Schlachthof, zu präsentieren. Aber warum sollte es ihm besser gehen als den neun anderen Nominierten, die die knapp 20-köpfige Jury für den Hessischen Denkmalschutzpreis innerhalb von zwei Tagen besucht hat? Am Donnerstagnachmittag nutzte der Unternehmer die kurze Zeit, um die Besucher aus ganz Hessen unter anderem ins "Who Killed The Pig", in einen Arbeitsbereich und in eine Wohnung des ehemaligen Schlachthofs zu führen. "Alleine der Besuch", sagte der Präsident des Landesamtes für Denkmalpflege, Dr. Markus Harzenetter, "soll eine Wertschätzung für Ihre Leistung sein." Wie die Chance für Lust stehen, den Preis zu gewinnen? Da ließen sich die Jurymitglieder nicht in die Karten schauen. Zwar stand am späten Donnerstagnachmittag die Entscheidung fest, verkündet wird sie jedoch erst im August. Denn dann wird der Hessische Denkmalschutzpreis im Biebricher Schloss verliehen.

Der Umbau des Alten Schlachthofs ist eine von insgesamt 30 Bewerbungen für den Preis; zehn stehen nun in der engeren Auswahl. Das Konzept von Lust und dem Architekt Birger Rohrbach sah vor, die historische Substanz des Industriedenkmals zu erhalten und es gleichzeitig für eine moderne Nutzung zu öffnen. Sprich: Wohnungen, Büroräume, Co-Working-Plätze, Bar, Café und Veranstaltungen. "Es ist mir wichtig, den Schlachthof jedenfalls in Teilen öffentlich zugänglich zu machen", sagte Lust. In der markanten, offenen Halle hätten ohne Probleme 200 Menschen bei einer Veranstaltung Platz. Erhalten bleiben sollten außerdem ganz bewusst die großflächigen Räume. "Die kleinste Wohnung ist 200 Quadratmeter groß", betonte Lust.

Der Eindruck zählt

Lust schilderte die Herausforderungen, vor dem die Arbeiter beim Umbau zwischen 2016 und 2018 standen. Die historischen Fassaden mussten herausgeschält und anschließend mit nachgebauten Klinkern restauriert werden. Die vielen unterschiedlichen Fenster wurden restauriert oder erhalten, die ehemalige Kalthalle als Außenbereich geöffnet. Es gibt einen Autolift mit Tiefgarage im Keller, Dachterrassen und Glasaufbauten für mehr Licht. Instand gesetzt wurde auch der Schornstein - er ist nur noch ein optisches Element und erfüllt keine Funktion mehr.

Der Auswahljury gehören Vertreter der Denkmalbehörden, des Handwerks, der Preisträger des Vorjahres, des Ministeriums für Wissenschaft und Kunst, der ehrenamtlichen Verbände und der Stifter an. Neu seit 2016 ist, dass die Jury die in der engeren Auswahl befindlichen Objekte bereist. "Fotos und Dokumente anzuschauen ist das eine", sagte Harzenetter, "aber sich einen eigenen Eindruck vom Objekt zu machen das andere." Er lobte den Umbau des Schlachthofs: "Es ist ein besonderes Objekt, hier wurde viel nachgedacht, um den früheren Zustand des Gebäudes zu vermitteln."

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