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Sopranistin Hannah Morrison bei ihrem Vortrag in der Johanneskirche. FOTO: JOU

Mit vollem Elan

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Bei seinem jüngsten Konzert in der Johanneskirche ließ sich das Main-Barockorchester Frankfurt am Freitagabend von einer Liste der bedeutendsten Komponisten in Lorenz Christoph Mizlers Zeitschrift "Musikalische Bibliothek" von 1754 inspirieren. Dass Johann Sebastian Bach auf dieser Liste erst an hinterer Stelle auftaucht, zeigt, in welchem Maße sich die Bewertung im Lauf der Zeit ändern kann.

Zu spüren war, wie das Orchester unter Leitung des Konzertmeisters Martin Jopp am Interpretationsstil feilt, und zwar bereits zu Beginn, bei Georg Friedrich Händels Concerto grosso a-Moll HWV 322: Ansprechender ließ sich der Kontrast zwischen dem schmachtenden "Larghetto affetuoso" und der lebhaften Fuge kaum zur Geltung bringen.

Prägnant akzentuierter Abschluss

Angemessen klanglich gedämpft geriet die Tongebung beim Largo. Das voller Spannkraft, überdies tonstärkemäßig äußerst differenziert dargebotene Allegro-Finale führte die Komposition zu einem prägnant akzentuierten Abschluss.

Schön anzusehen waren dann beim zweiten Satz von Johann Georg Pisendels "Concerto a 5 da Chiesa" g-Moll die tänzerischen Körperbewegungen des Solistin Jopp, in denen sich sein feines rhythmisches Empfinden spiegelte. Bei der mal weichen, dann scharfen melodischen Zeichnung im Concerto e-Moll von Georg Philipp Telemann demonstrierte das Ensemble Wandlungsfähigkeit, lotete dabei die Bandbreite an Stimmungen zwischen Resignation und energischem Aufbegehren bis in die Tiefe aus.

Das Programm bereicherten Kammerkantaten mit der isländisch-schottischen Sopranistin Hannah Morrison. Händels "Armida abbandonata" kreist um die heidnische Zauberin aus Torquato Tassos Epos "Das befreite Jerusalem" als Titelfigur.

Wirkungs- voller Einsatz musikalischer Mittel

Kaum steigerbar schien der Elan der Sängerin bei der virtuosen Arie "Venti, fermati, si", in der Armida ihre Liebe zum Kreuzritter Rinaldo bekennt und die Meeresgeister auffordert, ihn nicht zu töten. Raffiniert vergegenwärtigt wurden die stürmischen Winde und Meereswellen, überhaupt faszinierte der wirkungsvolle Einsatz der musikalischen Mittel.

Carl Heinrich Grauns "Apollo amante di Dafne" ist nebst weiteren italienischen Kantaten auch auf der neuen CD enthalten. Sei es die natürliche Tempowahl, die durchdachte dramaturgische Gestaltung oder die kristallene Artikulation der Sängerin und Instrumentalisten - die makellose Interpretation gefiel im Detail und vermochte emotional zu berühren. Für den begeisterten Applaus dankten die Künstler mit Zugabe. S. Jouini

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