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Sieben Millionen Views

Volksbank in Gießen erobert TikTok

  • Christoph Hoffmann
    vonChristoph Hoffmann
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Die Volksbank Mittelhessen sorgt gerade mit witzigen Videos auf der Social-Media-Plattform TikTok für Furore - und erreicht über 7 Millionen Views.

Mit rotem Kopf brüllt Volksbank-Chef Peter Hanker in den Hörer: "Ja wann kommen Sie denn zur Arbeit?" Am anderen Ende der Leitung sitzt eine junge Frau auf einem Liegestuhl, sie trägt Bademantel und Gesichtsmaske. "Wann passt es Ihnen denn?", fragt sie mit derbem Dialekt und nippt genüsslich an ihrem Cocktail. Der Beleg, dass dieser nur wenige Sekunden dauernde Spot ziemlich komisch ist, zeigt ein Blick auf TikTok. Das von Azubis der Volksbank Mittelhessen erstellte Video ist ein viraler Hit, bereits 1,7 Millionen Mal wurde es angeschaut. "Damit hätten wir nie gerechnet", sagt Vorstandsvorsitzender und Hauptdarsteller Hanker. "Das zeigt wieder einmal, dass man jungen Menschen Vertrauen schenken sollte."

100 Videos, sieben Millionen Views

TikTok ist ein Social-Media-Portal mit weltweit über 800 Millionen Usern, das vor allem von der sogenannten Generation Z, also Menschen zwischen 15 und 25 Jahren, genutzt wird. Ursprünglich als Karaoke-App gestartet, können die Nutzer eigene Videos über Lieder oder Tonspuren legen. Das Volksbank-Video mit Hanker basiert zum Beispiel auf einem Sketch des Kabarettisten Torsten Sträter. Hankers Vorstandskollege Lars Witteck persifliert in einem Video hingegen eine Snickers-Werbung.

Die Idee zum Projekt hatte die Marketingabteilung. "Als typischer Bankenvorstand Jahrgang 64 habe ich erst einmal gedacht: Ist das nicht Unsinn?", räumt Hanker ein. Trotzdem ließ er sich auf das Vorhaben ein. Intern wurden Stellen ausgeschrieben, auf die sich Social-Media-affine Mitarbeiter bewerben konnten. Dann ging es los.

Der 20-jährige Auszubildende Devin Torres und der drei Jahre ältere Praktikant Noah Sassen bereiten gerade ein Video vor. Sie wollen mit der dazugehörigen Tonspur ein Bewerbungsgespräch auf die Schippe nehmen. "Unser Team besteht aus sieben Mitgliedern. Wir schauen uns regelmäßig andere TikTok-Videos an und überlegen, was zu uns passt und wie wir es bestmöglich nachstellen könnten." Themen mit Arbeits- oder Geldbezug seien natürlich besonders gut geeignet. So hat das Team zum Beispiel schon Sparschweine mit einem Vorschlaghammer geschlachtet oder Münzen - Vorsicht Geldwäsche! - in der Salatschleuder an den Schalter gebracht. "Es ist toll, dass ich mich in meiner Heimatstadt in so ein cooles Projekt einbringen kann", sagt Sassen, der an der THM Social-Media-Systems studiert. "Viele sagen, dass man für so etwas in München oder Berlin arbeiten müsste."

Stattdessen sorgt die Volksbank Mittelhessen auf TikTok für Furore. Seit Anfang des Jahres sind rund 100 Videos entstanden, die sieben Millionen Mal angeschaut worden sind. 375 000 Likes und über 17 000 Follower sind für eine regional tätige Bank beeindruckende Zahlen. "Mit diesem Erfolg hätten wir niemals gerechnet", sagt Pressesprecher Dennis Vollmer, der anfangs ebenfalls skeptisch war. "Als Pressemensch habe ich direkt an negative Schlagzeilen gedacht. Nach dem Motto: Wie präsentieren sich die Banker denn?" Stattdessen sei die Volksbank für ihre kreativen Inhalte mit Lob überschüttet worden. "Wir kommen so mit einer Zielgruppe in Kontakt, die wir auf anderem Wege nur schwer erreichen." Inzwischen hätten sich schon etliche junge Leute gemeldet und gefragt, wo man sich bewerben könne. "Die Generation Z findet TikTok cool. Darüber erreichen wir viel mehr als über klassische Pressemitteilungen, in denen wir schreiben, was für ein toller Arbeitgeber wir sind." Neben neuen Mitarbeitern erhofft sich das Unternehmen auch neue Kunden. Schließlich sind viele TikTok-Nutzer in einem Alter, in dem sie das erste Mal eigenes Geld verwalten müssen - und dafür braucht man eine Bank.

Nicht zuletzt geht es in dem Projekt aber auch um einen Imagewandel. "Wir wollen der jungen Generation zeigen, dass wir als regionale Genossenschaft nicht verstaubt sind", sagt Hanker. "Wir drängen uns nicht auf und erzählen, was wir für eine tolle Baufinanzierung haben. Wir wollen unterhalten."

Positiver Nebeneffekt: Die Projektbeteiligten treten in einen gesunden Wettstreit. Schließlich basiert die App auf dem Grundgedanken, mit den Videos mehr Klickzahlen zu generieren als andere. Hanker mit seinen 1,7 Millionen Views hat gut lachen. Mit einem Augenzwinkern sagt er: "Der Witteck hat viel weniger."

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