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»MP« Volker Bouffier stand für das Gießener Stadtparlament nicht zur Wahl.

Kommunalwahl im Kreis Gießen

Wahl-Kuriosum in Hessen: Gießener verwechseln Ministerpräsident Bouffier mit seinem Sohn

  • Burkhard Möller
    VonBurkhard Möller
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Nach der Kommunalwahl 2011 schreibt auch der Gießener Urnengang 2021 eine ganz besondere Geschichte: Zum zweiten Mal werden die Gießener Volker Bouffier wohl ins Stadtparlament wählen. Es handelt sich aber nicht um den »MP«, sondern seinen Sohn Volker.

Wenn es eine sichere Wette gab vor dieser Kommunalwahl in Gießen, dann die auf den »Kumulierkönig«. Denn der stand im Grunde fest, als die Gießener CDU vor Weihnachten ihre Kandidatenliste für das Stadtparlament verabschiedete. Auf Listenplatz 28 stand da nämlich Volker Bouffier, den wohl viele Wähler, die am Sonntag und in den Tagen zuvor per Brief gewählt haben, für den hessischen Ministerpräsidenten gehalten haben. Tatsächlich handelt es sich aber um seinen gleichnamigen Sohn, der bereits einmal bei der Kommunalwahl vor zehn Jahren von Listenplatz 48 auf fünf und damit in die damalige CDU-Stadtverordnetenfraktion kumuliert worden ist.

Wahl-Verwechslung in Gießen: Volker Bouffiers Sohn wird wohl »Kumulierkönig«

Diese Geschichte hat sich am zweiten Tag der Auszählung der veränderten Stimmzettel wiederholt. Volker Bouffier stürmte von Platz 28 ziemlich zügig nach vorne, vorbei sogar an Parteichef und Spitzenkandidat Klaus Peter Möller auf Platz eins. Als die Auszählung am frühen Montagabend vorerst beendet war, entfielen auf den Juristen 5716 persönliche Stimmen, auf Fraktionschef Möller 5570 Stimmen.

Volker Bouffier jun. wurde von vielen Wählern vermutlich mit seinem Vater verwechselt.

»Man muss das Endergebnis abwarten, aber das geht schon in diese Richtung«, sagte Volker Bouffier jun. am Montag gegenüber der GAZ. Er habe sich im Wahlkampf auf Kandidaten-Präsentationen der CDU und auf seinem persönlichen Flyer kenntlich gemacht, aber natürlich sei es offensichtlich, dass »Wähler mich für meinen Vater gehalten haben«, sagte Volker Bouffier jun.

Kommunalwahl in Gießen: Auch Volker Bouffiers Bruder profitiert

Die Tatsache, dass auf dem Stimmzettel nur der Name Volker Bouffier ohne jeden Zusatz stand, ist nicht zu beanstanden, bestätigt Wahlleiter Jens Haub. Zusätze wie »jun.« seien unzulässig. Es wäre zuvor an der Stadtverordnetenversammlung gewesen, im Vorfeld der Wahl zu entscheiden, dass auf dem Stimmzettel neben den Vor- und Nachnamen noch Informationen wie das Geburtsjahr und/oder der Beruf erscheinen. Einen solchen Beschluss habe es - wie 2011 - aber nicht gegeben. Haub: »Man muss sehen, dass der Wahlzettel jetzt schon groß ist, mit diesen Zusatzinformationen würde er noch größer.«

In der amtlichen Bekanntmachung mit den Wahlvorschlägen, die die Stadt im Januar veröffentlicht hat, waren diese Zusatzinformationen noch enthalten: »Herr Bouffier, Volker, Jurist, geb. 1992 in Gießen« steht dort. Aber wer liest schon Wahlbekanntmachungen?

Der Titel »Kumulierkönigin« geht wohl an die SPD: Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz, die auf Platz 59 kandidiert hatte, preschte mit 4162 persönlichen Stimmen nach vorne bis auf Listenplatz 4. Die Kandidaturen direkt gewählter Rathauschefs - im Kreisgebiet führten einige sogar die Listen an - sind umstritten, weil die Gewählten ihr Stadtverordnetenmandat nicht annehmen.

Vom Bouffier-Bonus profitiert übrigens auch Volker Bouffiers Bruder Frederik, der von Listenplatz 12 - Stand Montagabend - auf Platz drei nach vorne »gehäufelt« wurde.

Vom Bouffier-Bonus profitiert auch Volker Bouffiers Bruder Frederik, der von Listenplatz 12 - Stand Montagabend - auf Platz drei nach vorne »gehäufelt« wurde.

Volker Bouffier jun. freut sich auch für andere junge Kandidaten, die beachtliche persönliche Ergebnisse erzielt haben, wie zum Beispiel die 21-jährige Kathrin Schmidt, die bislang einige bekanntere CDU-Politiker abgehängt hat. Auch bei anderen Parteien ist das zu beobachten - und eine überraschende Entwicklung, denn oft verlieren die jungen Bewerber Plätze, weil sie noch nicht so bekannt sind.

Kommunalwahl in Gießen: Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz „Kumulierkönigin“

Volker Bouffier jun. freut sich jedenfalls auf die Arbeit im Stadtparlament. In seiner ersten Wahlperiode bis 2016 war er eher unauffällig. »Ich war damals 18 und bin von Listenplatz 48 in die Fraktion gewählt worden. Das ist man erst einmal beeindruckt und zurückhaltend. Ich werde jetzt ganz sicher meinen Beitrag zur Fraktionsarbeit leisten«, sagte der designierte »Kumulierkönig« 2021.

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