Grüne Lunge im Fokus der Stadtpolitik: Ein Sportplatz und ein Streuobstbestand bilden den Westrand des Vitos-Geländes zum Ostpreußenviertel hin. FOTO: SCHEPP
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Grüne Lunge im Fokus der Stadtpolitik: Ein Sportplatz und ein Streuobstbestand bilden den Westrand des Vitos-Geländes zum Ostpreußenviertel hin. FOTO: SCHEPP

Vitos-Klinik soll grün bleiben

  • Burkhard Möller
    vonBurkhard Möller
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Die Vitos-Klinik verfügt über einen der schönsten Parks in Gießen und ist eine grüne Oase im Osten der Stadt. Das soll sie nach den geplanten baulichen Veränderungen bleiben. Sorgen unter anderem um eine Streuobstwiese auf dem Gelände hält der Planungsdezernent für "völlig unbegründet".

Es gab Zeiten, da war die psychiatrische Landesklinik an der Licher Straße so abgeschottet wie eine Kaserne der US-Armee. Aber das ist lange her; vor vielen Jahren öffnete sich die Vitos-Klinik für die Öffentlichkeit und machte ihren schönen Park mit der Kapelle im Zentrum auch für die Anwohner aus der Anneröder Siedlung und dem Ostpreußenviertel zugänglich.

Sei einiger Zeit indes gibt es Befürchtungen, dass das Gelände seinen Charakter verlieren könnte, wenn die Klinik Um- und Ausbaupläne umsetzt. Mit Blick auf die Streuobstwiese gegenüber der Graudenzer Straße sei diese Sorge "völlig unbegründet", teilte Bürgermeister und Planungsdezernent Peter Neidel am Donnerstagabend im Stadtparlament mit, das coronabedingt in die Mehrzweckhalle nach Allendorf umgezogen war.

Dort beschlossen die Fraktionen einen Antrag der Linksfraktion, in dem von einer "Gewerbeansiedlung" auf dem Kliniksgelände die Rede ist, die verhindert werden müsse. Park und Streuobstwiese seien zu erhalten. Unter Gewerbe indes versteht die Linke wohl auch medizinnahe Betriebe wie eine Apotheke.

"Klinikaffines" Konzept liegt vor

Neidel erläuterte, dass das Gelände im Gießener Flächennutzungsplan als Gebiet für den "Gemeinbedarf" ausgewiesen sei. "Neue Nutzungen müssen einen Bezug zum Kliniksbetrieb haben. Eine Apotheke hätte den", meinte Neidel. Der Gesprächsfaden zu Vitos sei nach Wechseln in der Geschäftsführung zuletzt aber etwas abgerissen.

Auf eine Bürgerfrage im Bauausschuss hatte der Bürgermeister vor einigen Tagen zu dem Thema erklärt: "Der Magistrat stimmt derzeit mit den Vitos-Verantwortlichen ein Konzept für eine klinikaffine und die wertvollen Grünstrukturen weitgehend berücksichtigende Ergänzungsbebauung ab, das voraussichtlich in wenigen Monaten zur Grundlage für die Einleitung eines Bebauungsplanaufstellungsverfahrens werden wird. Dabei soll der derzeit im unbeplanten Innenbereich liegende und nicht unter einem besonderen Schutz stehende Streuobstwiesen-Bestand so weit wie möglich erhalten werden."

Die Klinik selbst hatte zuletzt nur über Veränderungen informiert, die Bestandsgebäude, aber keine Neubauten betreffen. Die große Pressekonferenz, in der es um einen größeren Ausbau ging, liegt schon wieder mehr als zwei Jahre zurück. Im August 2018 hatte die Geschäftsführung angekündigt, auf dem Gelände einen "Gesundheitscampus" entwickeln zu wollen. Auch damals hieß es, dass der Grünzug zur Graudenzer Straße hin erhalten bleiben soll. Einen Verkauf von Flächen an Investoren, die zum Beispiel Wohnungen errichten könnten, schloss Vitos damals aus.

Mittlerweile geht es offenbar auch um ein medizinisches Gesundheitszentrum, für das Mieter gesucht werden. Dies deutete FDP-Fraktionschef Klaus Dieter Greilich an, der in Kleinlinden als Arzt praktiziert. "Ich habe auch so ein Schreiben erhalten", sagte er in seiner Rede beiläufig.

Der Erhalt der Grünflächen ist nicht nur eine optische Frage, sondern hat auch Bedeutung für das Stadtklima. Durch die Klingelbachaue verläuft einer der wichtigsten Frischluftkorridore Gießens.

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