Hauterkrankungen wie Neurodermitis können auch die Seele beeinträchtigen. FOTO: DPA
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Hauterkrankungen wie Neurodermitis können auch die Seele beeinträchtigen. FOTO: DPA

Gesundheit

Vitos-Klinik in Gießen baut Psychodermatologie auf

  • Christine Steines
    vonChristine Steines
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In der Vitos-Klinik gibt es künftig den Behandlungsschwerpunkt Psychodermatologie. Dort werden Haut und Psyche gleichermaßen therapiert.

Die Haut ist der Spiegel der Seele. Diese Weisheit ist Allgemeingut, dennoch wird sie sowohl in der Öffentlichkeit als auch in der Medizin viel zu wenig berücksichtigt. "Wenn man gelernt hat, zuzuhören, stolpert man fast darüber, dass Haut und Psyche zusammenhängen", sagt Prof. Uwe Gieler.

Der Kontext sei in der Medizin in der Vergangenheit immer angezweifelt worden, man habe gesagt, Hauterkrankungen seien erblich oder würden durch Infektionen ausgelöst. Heute sei zumindest bei einigen Erkrankungen nachgewiesen, dass emotionale Reaktionen im Gehirn auch in unterschiedlichen Reaktionen in der Haut münden. Dabei gehe es um Nerven-Botenstoffe, die bei Menschen mit Hauterkrankungen im Vergleich zu gesunden in Stresssituationen verändert seien. Die Forschung der Psychoimmunologie habe große Fortschritte gemacht.

Gieler ist Facharzt für psychosomatische Medizin und Psychotherapie sowie auch für Dermatologie. Er war viele Jahre in leitender Funktion an der Hautklinik und der Klinik für Psychosomatik des UKGM tätig. An der JLU hatte er bis zu seiner Emeritierung 2018 eine Professur für Psychosomatische Medizin inne. Auf dem Gebiet der Psychodermatologie hat Gieler sich als internationaler Experte einen Namen gemacht. Kein Wunder also, dass Prof. Michael Franz, der Ärztliche Direktor des Vitos-Klinikums Gießen-Marburg, sowie Geschäftsführer Max Heuchert den neuen Klinikdirektor als großen Gewinn betrachten. "Hier ist ein einmaliges Behandlungsangebot für die Region entstanden", freut sich Franz.

Umbau geplant

Er erinnerte daran, dass der Bereich Psychosomatik stetig weiterentwickelt werde. Bereits im Juli habe man eine psychosomatische Ambulanz eröffnet. 2021 stünden weitere Veränderungen an. Man plane einen Umzug vom bisherigen Altbau (Haus 10) in einen Seitentrakt der Vitosklinik für Psychotherapie. Dieser werde saniert und modern gestaltet. Derzeit gibt es 15 stationäre Betten und fünf tagesklinische Behandlungsplätze in Haus 10. Der Betrieb der Tagesklinik ruht coronabedingt.

Chronische Hauterkrankungen wie Neurodermitis, Schuppenflechte oder Vitiligo können die Lebensqualität der Betroffenen stark einschränken. Oft sind sie mit Symptomen wie Schmerzen oder quälendem Juckreiz verbunden. Und häufig erfahren die Betroffenen Stigmatisierung und Ausgrenzung wegen der sichtbaren Hautveränderungen. Sie stehen dann unter hohem psychischen Druck und haben ein erhöhtes Risiko, psychische Begleiterkrankungen zu entwickeln. Ein Teufelskreis, denn andersherum wirken sich auch psychische Belastungen negativ auf die Haut aus. Auch psychisch begründete Verhaltensweisen gehören in das Behandlungsspektrum, erläuterte Gieler. Uum Beispiel zwanghaftes Aufknibbeln der Haut oder unerklärbarer Juckreiz. Mit einer Kombination aus medikamentöser und psychotherapeutischer Behandlung, die sowohl ambulant als auch stationär stattfinden könne, mache man sehr gute Erfahrungen, versicherte der Mediziner. Wenn eine Hauterkrankung zu depressiven Verstimmungen mit Schlaflosigkeit, Energielosigkeit und sozialem Rückzug führe, sei eine Behandlung angezeigt.

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