Isabella Archan versteht es, das Publikum in der Thomas-Morus-Kirche zu fesseln. JOU
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Isabella Archan versteht es, das Publikum in der Thomas-Morus-Kirche zu fesseln. JOU

Virtuos und wandlungsfähig

  • vonSascha Jouini
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Gießen(jou). Autorin und Schauspielerin Isabella Archan zog am Samstag beim Krimifestival in der Thomas-Morus-Kirche alle Register, um die Besucher in ihren Bann zu schlagen. Gehörig Spannung erzeugte sie bei der prologartigen Kurzgeschichte, in der sie die Besucher aufforderte, "sich auf eine Reise in die Welt ihrer Vorstellungskraft" zu begeben und in die Steiermark zu versetzen. Die Wanderung eines Pärchens endet, 40 Minuten von der Almhütte entfernt, in einer Bluttat, bei der das Opfer überraschend zum Täter wird.

Anschließend präsentierte Archan den vierten Fall "Ein reines Wesen" der Ermittlerin Willa Stark. Die Autorin, wie ihre Protagonistin aus Österreich stammend, wechselte virtuos zwischen frei vorgetragenen und gelesenen Passagen, bewies dabei feines Gespür für nuancierten Tonfall und Erzählrhythmus. Hauptkommissar Peter Kraus holte die talentierte Inspektorin Stark nach Köln. Bei einem Überfall hat sie eine Verletzung erlitten und ist im Koma gelandet. Währenddessen hat es an einer Saarbrücker Privatklinik einen Mord gegeben. Stark wurde in den Innendienst versetzt - für sie eine öde Tätigkeit - und sehnt sich nun in den aktiven Dienst zurück. Da kommt Krankenschwester Nicole, eine Schulfreundin, auf sie zu, die beobachtet haben will, wie jemand in der Klinik den Patienten Ludwig Kritzel mit einem Kissen erstickt hat.

Archan brachte ihr schauspielerisches Können souverän zur Geltung mit ihrer wandlungsfähigen Stimme und markanten Mimik wie Gestik. Ihre Biografie mutete bewegt an: Nach 28 Jahren in festen Theater-Engagements wurde sie freiberufliche Schauspielerin. In Arbeitspausen, schilderte sie begeistert, habe sie Muße zum Schreiben gefunden und ihre Liebe zu Krimis entdeckt.

In einem Exkurs lieferte sie Einblick in ihre Schreibpraxis. Um möglichst authentisch zu sein, führe sie Gespräche mit echten Experten. Schmunzeln ließ Archans Erläuterung der "Psychopathenampel" - eine humorvolle Warnung vor Menschen, vor denen man sich in Acht nehmen müsse. Auf Gelb stehe etwa der Nörgler, der an allem etwas auszusetzen hat. In den "orangenen Bereich" ordnete sie charmante, kumpelhafte Typen ein, die dem Klischee eines Österreichers entsprechen. Im "roten Bereich" sei beispielsweise der "klassische Schlagerfan", scheinbar immer gut gelaunt, in Wahrheit "am Beginn einer gefährlichen Schizophrenie".

Mit hohem Vortragstempo riss Archan das Publikum mit und belohnte es für den kräftigen Applaus mit dem Kurzkrimi "Badefreuden" als Zugabe.

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