Examenskonzert

Virtuos, elegant und feinfühlig gespielt

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Gießen(jou). Durch musikalische Vielfalt zeichnete sich das Examenskonzert von Absolventen der Frankfurter Musikhochschule am Donnerstag in der Uni-Aula aus - das Spektrum reichte vom Blas- und Zupf- bis zum Streichinstrument. Über ausgiebige Konzertpraxis verfügend, waren die Solisten mit der Drucksituation vertraut. So hat der aus Chile stammende Flötist Damian Barnett schon in Ensembles wie dem Frankfurter Opern- und Museumsorchester gespielt.

Gemeinsam mit dem Philharmonischen Orchester unter Leitung des Kapellmeisters Martin Spahr widmete er sich dem Flötenkonzert D-Dur op. 283 von Carl Reinecke und vermittelte im Allegro-Kopfsatz sehr schön die tiefe Sehnsucht. Mit atmender Artikulation schlug Barnett weite Melodiebögen. Vorzüglich unterstützt vom Orchester, bestach sein Spiel durch natürliche Eleganz; manche Verzierungen und Figurationen erinnerten an Vogelgesang. Emotional besonders nahe ging das Lento, in dem die Flöte in konzentriertem Dialog mit dem Cello und weiteren Instrumenten trat. Dabei erwies sich die friedvolle Ruhe als trügerisch; die Musik nahm aufwühlende Wendungen. Beim Finale verband Barnett wieder sehr ansprechend Virtuosität mit natürlichem Ausdruck und wurde mit kräftigem Beifall belohnt.

Auf Begeisterung stießen auch die weiteren Examenskandidaten. Gitarrist Carlos Vivas studierte in seiner kolumbianischen Heimatstadt Cali und vertiefte seine Ausbildung in Frankfurt. 2015 gewann er den dritten Preis beim Borguitar Festival Wettbewerb in Italien. Vivas spielte Joaquin Rodrigos häufig aufgeführtes "Concierto de Aranjuez" und wird damit beim Publikum angesichts Vergleichsmöglichkeiten besonders hohe Erwartungen geweckt haben. Gemeinsam mit dem Orchester gelang ihm das eröffnende "Allegro con spirito" rhythmisch lebhaft und schattierungsreich. Nur manche Passagen hätte man sich etwas klangvoller und frischer akzentuiert gewünscht. Noch deutlich besser geriet das schwermütige Adagio. Die Interpretation dieser überaus poetischen, raffiniert instrumentierten Komposition mutete sehr feinfühlig an. Für Abrundung sorgte das recht flüssig, in drängender Bewegung vorgetragene Schluss-Allegro.

Die wohl reifste Leistung zeigte nach der Pause Violinist Julian Fahrner bei Jean Sibelius d-Moll-Konzert. Zauberhaft intonierte er zu Beginn den sich über einem hellen Klangteppich erhebenden Violingesang. Fahrner spielte nicht nur technisch sicher sondern auch mit untrüglichem Gespür für musikalische Spannungsbögen. Scharfsinnig auf das Orchester horchend und souverän die Übersicht wahrend, setzte er beim motorisch bestimmten Finale das i-Tüpfelchen.

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