Ausschnitt aus dem neuen Cantamus-Video, das nach den Wettbewerbsregeln aber aktuell noch nicht veröffentlicht werden darf. Links oben sieht man Chorleiter Axel Pfeiffer.
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Ausschnitt aus dem neuen Cantamus-Video, das nach den Wettbewerbsregeln aber aktuell noch nicht veröffentlicht werden darf. Links oben sieht man Chorleiter Axel Pfeiffer.

Virtuelle Chorarbeit

  • Karola Schepp
    vonKarola Schepp
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Was macht ein Chor, wenn sich seine Sängerinnen und Sänger wegen der Corona-Auflagen nicht treffen können und Auftritte nicht möglich sind? Vor diesem Problem steht auch der Gießener Chor Cantamus. Und zeigt mit einem Video zum von Interkultur ausgeschriebenen Wettbewerb, dass auch im Digitalen Chorgesang auf hohem Niveau möglich ist.

Der Chor Cantamus gehört zu den erfolgreichsten Chören der Region. Unter der Leitung von Axel Pfeiffer haben die rund 30 Sängerinnen und Sänger schon viele Preise gewonnen, unter anderem einen ersten Platz im Deutschen Chorwettbewerb belegt. Ihre Konzerte sind regelmäßig ausverkauft. Doch in diesem Corona-Jahr ist es mit dem Chorgesang so eine Sache. Manche Chöre haben ihre Aktivitäten im kleinen Rahmen ins Freie bzw. in den digitalen Raum verlegt. Doch nicht immer gelingt das auf einem sängerischen Niveau, wie man es von Cantamus erwartet.

Und so haben die Mitglieder des 2009 gegründeten Chores länger überlegt, ob auch sie sich als virtual choir im Netz präsentieren wollen. Ein dazu vom Verein Interkultur ausgeschriebener Wettbewerb gab aber schließlich den Ausschlag. »Ich war erst skeptisch, aber nun ist es cool geworden«, schwärmt Chorleiter Axel Pfeiffer. Einsendeschluss für die Beiträge zum Wettbewerb war am letzten Junitag, Mitte Juli sollen die Ergebnisse bekannt gegeben werden.

Was die Cantamus-Mitglieder in virtueller Teamarbeit zusammengefügt haben, kann sich in der Tat gut hören und sehen lassen. Basis des knapp vierminütigen Videos ist ein Auftritt des Chores aus dem Jahr 2016 in der Bonifatiuskirche und das dort zu sehende Dirigat Pfeiffers.. Aufnahmen davon sind zu sehen, dazu werden von den Mitgliedern selbst aufgenommene Ton- und Audiostücke eingeblendet. Gemeinsam singen sie das Lied »Northern Lights« des norwegischen Komponisten Ola Gjeilo. Typisch für seine Chorwerke sind dichte Klangteppiche aus mehrstimmigen Clustern und lange geschichtete Akkorde mit langen Vorhalten oder Überhalten einzelner Stimmen - was bei einem gemeinsamen Live-Auftritt schon eine Herausforderung ist, ist im virtuellen noch mal umso schwieriger zu leisten. »Das war eine schöne Beschäftigung für uns«, untertreibt Chorleiter Axel Pfeiffer, denn das Stück aus vielen einzelnen, im heimischen Wohnzimmer aufgenommenen Versatzstücken zusammenzufügen ist eine echte Meisterleistung. Alle Chormitglieder seien zunächst unglücklich über ihre eigenen Aufnahmen gewesen. Doch das »virtuelle Stimmproblem« konnte gelöst werden. Wo muss ich atmen? Wo gibt es eine Zäsur? Wie können wir ohne Metronom alle den exakt gleichen Takt halten? Wie kann man es schaffen, dass sich aus einem harten »t« am Wortende nicht im vielstimmigen Miteinander der Einzelaufnahmen ein nachklapperndes »tttt« entwickelt? All diese Fragen haben die Cantamus-Mitstreiter aus eigener Kraft lösen können. Chormitglied Komla Digoh hat sich um den Bildschnitt und das Einklinken der zahlreichen Porträtaufnahmen gekümmert, Lucas Gröbel managte die gesamte Audiotechnik. Die Ton- und Videoaufnahmen wurden von den Chormitgliedern zu Hause durchgeführt.

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