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Virtuell der Lahn entlang

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Von: Christine Steines

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Gießen (cg). Füße auf die Pedale, Fernbedienung in die Hand und los geht es. Erst durch ein ruhiges Wohngebiet, dann immer entlang des Mains. Die Sonne scheint, das Wasser glitzert, die Blumen blühen. Herrlich. Die alte Dame lächelt. Früher ist Margot Zimmermann oft Fahrrad gefahren, doch die Zeiten sind lange vorbei. Umso mehr genießt sie es nun, mit Hilfe moderner Technik virtuell Touren unternehmen zu können. »MemoMoto« heißt das Gerät, das im Albert-Osswald-Haus für strahlende Gesichter sorgt. Ein Jahr lang hat man es getestet und nun für gut befunden.

Gießen (cg). Füße auf die Pedale, Fernbedienung in die Hand und los geht es. Erst durch ein ruhiges Wohngebiet, dann immer entlang des Mains. Die Sonne scheint, das Wasser glitzert, die Blumen blühen. Herrlich. Die alte Dame lächelt. Früher ist Margot Zimmermann oft Fahrrad gefahren, doch die Zeiten sind lange vorbei. Umso mehr genießt sie es nun, mit Hilfe moderner Technik virtuell Touren unternehmen zu können. »MemoMoto« heißt das Gerät, das im Albert-Osswald-Haus für strahlende Gesichter sorgt. Ein Jahr lang hat man es getestet und nun für gut befunden.

Sogar mehr als das: »Unsere Bewohner sind begeistert«, sagt Jutta Deibel-Schmidt, die Leiterin des sozialen Dienstes. Sie und ihre Kollegen haben in den vergangenen Monaten festgestellt, dass »MemoMoto« viel mehr ist als ein unterhaltsames »Spielzeug«. Die Senioren bewegen sich – selbst jene, die im Rollstuhl sitzen oder sonst nur mit Rollator unterwegs sind. Zudem werden durch die Filme die kognitiven Fähigkeiten geschult. Die »Radler« konzentrieren sich auf den Straßenverkehr und nehmen gefährliche Situationen wahr. Zudem erfreuen sie sich an der entspannenden Wirkung eines Ausflugs in der Natur. Schwer demenzkranke Bewohner, die nicht mehr mit ihrer Umwelt kommunizierten, hätten plötzlich wieder gesprochen, berichtet Deibel-Schmidt. »Das hat uns sehr beeindruckt«. Aber auch geistig fitte Senioren steigen gerne aufs virtuelle Rad. »Es macht einfach Spa?, sagt ein Bewohner bei der Vorstellung der neuen Errungenschaft. Er drehe täglich seine Runden – sofern »MemoMoto« denn zur Verfügung steht, denn mittlerweile ist es so begehrt, dass es in den Wohnbereichen sogar Wartezeiten gibt.

Bald Filmaufnahmen in Gießen

Bei Awo-Geschäftsführer Jens Dapper rennt jeder offene Türen ein, der eine mit Aktivität verknüpfte Idee umsetzen will. Der sportliche Chef kennt die Vorteile, die Bewegung für Geist und Körper mit sich bringt aus eigener Erfahrung sehr gut. Und dennoch sei er zunächst skeptisch gewesen, ob das 10 000 Euro teure »MemoMoto« nicht nach anfänglicher Euphorie in der Ecke landen würde, räumt er ein. Diese Befürchtung hat sich nicht bestätigt, und für die hohen Kosten fand sich auch eine Lösung. Die Stadtwerke und der Awo-Ortsverein sponserten das Gerät ebenso wie Ralf Kipping (Firma Centerplan), der Bauunternehmer Kai-Achim Becker und André Schmitt von der Planungsgesellschaft Schmitt.

Dapper erinnerte daran, dass die Arbeiterwohlfahrt getreu ihres Leitmotivs »Wir gestalten Lebensräume mit Herz und Respekt« die Verbesserung der Lebensqualität alter Menschen im großen wie im kleinen anstrebe: Dies reiche von Bauprojekten bis hin zu Erleichterungen des Alltags. Auch Heimbeirat Hans Wagner freut sich für die Bewohner: »Wunderbar, dass die Awo so großzügige Unterstützer hat«.

Noch kann man mit dem virtuellen Rad nur Südhessen erkunden. Dies wird sich nach Schilderung von Einrichtungsleiterin Ines Klingenmaier aber bald ändern. In Kürze wird die Herstellerfirma Filme nach den Wünschen der Nutzer vor Ort in Gießen drehen. Bekannte Strecken und Wohnviertel, so die bisherige Erfahrung, wecken erst recht Erinnerungen und aktivieren noch stärker. Die Bewohner werden also bald an der Lahn, im Stadtpark Wieseckaue, im Philosophenwald oder im Theaterpark unterwegs sein – fast so wie früher.

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