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Zirkus macht Halt in Gießen: Vier Wochen »Circus Barelli« in der Stadt

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Von: Christine Steines

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Training vor der Premiere: Die Artisten Yassir und Ashraf aus Marokko. © Christine Steines

Für rund einen Monat bleibt ist der »Circus Barelli« in Gießen. Artisten und Musiker zeigen ihr Können. Auch umstrittene Tiershows gibt es noch.

Gießen – Was für ein Zirkus! In den Tagen vor der Premiere herrscht hektische Betriebsamkeit neben dem Gelände von Neils&Kraft in der Marburger Straße. Am heutigen Samstag wird es nach zwei Jahren pandemiebedingter Pause das erste Mal eine Vorstellung des »Circus Barelli« geben.

»Wir sind glücklich, dass wir hier sein dürfen«, sagt Harry Barelli, der Senior des Familienunternehmens, das ursprünglich aus dem badischen Herbolzheim stammt. »Und ganz schön aufgeregt nach der langen Zeit«, fügt er hinzu.

Zirkus für vier Wochen in Gießen: Standortsuche schwierig

Denn fast hatten er und seine erwachsenen Kinder Timmy, Franz und Ramona, die den Zirkus gemeinsam führen, den Standort Gießen schon aufgegeben, als Michael Kraft, Inhaber des Mercedes-Autohauses in der Marburger Straße, die Fläche im letzten Augenblick zur Verfügung stellte. Weder auf dem Messeplatz an der Ringallee noch an den Hessenhallen waren die Barellis willkommen. »Für uns ist das besonders bitter, weil wir in den vergangenen Jahren so gut wie keine Einnahmen hatten«, klagt Harry Barelli. »Wir leben von der Hand in den Mund.«

Dabei gehöre das Unternehmen der Familie zu den wenigen traditionellen Zirkussen Deutschlands. Es sei ein Kulturgut, das man wahren sollte. »Wir haben erstklassige internationale Akrobaten, Clowns und Musiker«, versichert er. »Und wirklich schöne Tiernummern.« Der Imageverlust der Branche hat viel mit der Kritik an Tierdressur und Tierhaltung im Zirkus zu tun. Tierschützer fordern die Zirkusse seit langem auf, auf Tiere komplett zu verzichten. »Das ist unmöglich. Die Tiere gehören zu uns, wir hängen an ihnen«, sagt Harry Barelli. Das Thema und die nicht enden wollende Kritik nerven ihn, zumal das Publikum den traditionellen Zirkus mit Tieren nach wie vor liebe. Die Kontrollen der Veterinärämter seien überaus streng, der Haltungs- und Pflegezustand seiner Tiere sei einwandfrei.

Es gebe sicher »schwarze Schafe«, das Geschäft seiner Familie gehöre aber ganz sicher nicht dazu. Im »Circus Barelli« gebe es keine exotischen Wildtiere wie Löwen, Elefanten oder Tiger, stattdessen arbeite man mit Alpakas, Kamelen, Pferden und Hunden. Die Vierbeiner seien Haus- und Familientiere, die gut gepflegt würden.

»Circus Barelli« in Gießen: Artisten aus der Ukraine dabei

Der »Circus Barelli« gehörte unter der Regie von Harry und Rolina Barelli zu den größten Zirkussen Europas. Als seine Ehefrau 2014 starb, wollte der Seniorchef das Unternehmen nicht mehr führen. »Der Schicksalsschlag hat mich zerstört«, sagt er. Seine Kinder waren bis 2019 in verschiedenen Zirkussen angestellt, entschieden sich jedoch vor drei Jahren zur Neugründung des Familien-Unternehmens. Kaum hatten Timmy, Franz und Ramona samt ihrer Kinder die ersten Tourneen erfolgreich hinter sich gebracht, kam die Pandemie. Vor diesem Hintergrund, erklärt Harry Barelli, freuen sich alle ganz besonders auf den Neustart.

Damit die Gastspiele auch wirtschaftlich ein Erfolg werden, gibt es neben den Vorstellungen weitere Angebote: Es gibt eine »Hüpfburgenwelt« für die Kinder und einen Biergarten für die Erwachsenen. Gerade in der Ferienzeit seien dies attraktive Anziehungspunkte, ist sich Barelli sicher. Rund 40 Mitarbeiter verschiedener Nationalitäten werden in den kommenden Wochen dafür sorgen, dass die Besucher unbeschwerte Stunden im Zirkuszelt verleben können.

Auch Künstler aus der Ukraine werden dabei sein. Barelli: »Für sie sind die Gastspiele im Ausland überlebenswichtig - im Frieden und im Krieg.« (cg)

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