Auf dem ehemaligen Samenbunker hat sich eine Esche "seehundähnlich" breit gemacht. FOTO: IGE
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Auf dem ehemaligen Samenbunker hat sich eine Esche "seehundähnlich" breit gemacht. FOTO: IGE

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Gießen(ige). Die Nadelbäume Fichte und Kiefer sowie die Laubbäume Buche und Eiche sind die häufigsten Bäume in Deutschland. Diese vier Arten zu bestimmen, gelingt wohl den meisten. Auch Birke und Trauerweide sind an der weißen Rinde oder den dünnen herunterhängenden Ästen gut zu erkennen. Etwas schwieriger wird es da schon bei Lärche, Tanne, Hainbuche, Linde, Esche, Ulme und Erle, ganz zu schweigen davon, wie sich Spitz-, Berg- und Feldahorn voneinander unterscheiden.

Erfahren konnten dies soeben die Teilnehmer beim GEO-Tag der Artenvielfalt im Akademischen Forstgarten. Zur kostenlosen Führung und Baumbestimmung eingeladen hatten Lugena Natur und Bildung, die NABU-Ortsgruppe Gießen und das Forstamt Wettenberg. Diplom-Biologin Monika Schütz von Lugena führte die Besucher zwei unterhaltsame Stunden zu Dutzenden verschiedener Baumarten.

Noch bis ins 18. Jahrhundert diente das Waldareal, gelegen an der Landstraße in Richtung Hausen, als Rohstoffreservoir für Brenn- und Bauholz, war Energie- und Düngerlieferant sowie billige Viehweide und Rodungsfläche. Als vor mehr als 200 Jahren in Gießen die erste forstwissenschaftliche Vorlesung gehalten wurde, bestand die Herausforderung darin, die seinerzeit verwüsteten Wälder neu zu bestocken. Angelegt wurde der Forstgarten am Schiffenberg 1825 als von der Universität unabhängiges Institut zur Forstlehre; 1831 wurde er "Akademischer Forstgarten zur Lehre und Forschung". Er gilt als Lehr- und Versuchsgarten des ältesten Universitätsforstinstituts der Welt.

1883 hatte der Akademische Forstgarten eine Größe von rund 6,7 Hektar. Eine Bestandsaufnahme aus dem Jahr 1890 dokumentiert rund 270 verschiedene Bäume und Sträucher. Als 1938 der Reichswissenschaftsminister entschied, das Gießener Forstinstitut aufzulösen, fiel der Forstgarten an die Staatsforstverwaltung zurück.

Seit dem Jahre 1985 ist der Forstgarten wieder für die Öffentlichkeit zugänglich. Mit seinem Bestand von mehr als 200 verschiedenen Baum- und Straucharten - darunter so seltene Arten wie Elsbeere und Tulpenbaum - besitzt er auch heute noch eine bedeutende Sammlung lebender Gehölze.

Schütz sagte, dass die beiden heißen und niederschlagsarmen vergangenen Sommer den Bäumen stark zugesetzt hätten. Die Flachwurzler Kiefer und Fichte gäbe es bald nicht mehr. Stattdessen sei in Zeiten des Klimawandels die Douglasie eine gute Alternative. Deren Rinde ähnelt stark einer Brotkruste.

Klimagewinner und -verlierer

Zudem gab es noch allerhand Wissenswertes zu erfahren: Dass auch die Gemeine Eibe als einheimisches Gehölz zu den Klimagewinnern zähle. Dass sie an vielen Schulen und Kindergärten angepflanzt wird. Und das, obwohl alle Teile von ihr bis auf den roten Samenmantel für den Menschen giftig sind; nicht jedoch für das Wild. Dass die Ulme von der Eiche durch den nicht ganz so borkigen Stamm zu unterscheiden ist. Dass die Rinden der Buchen bei extrem heißen Wetterlagen aufplatzen, was den Tod der Bäume bedeutet. Und dass man bei Starkregen, heftigem Wind und Gewittern sich besser von diesem Gelände fernhalten solle. Abbrechende Äste und plötzliche umfallende Bäume seien dann nicht auszuschließen.

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