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Gießen(gl). Eigentlich müsste man über dem Stadttheater Rauch aufsteigen sehen. Schließlich rauchen den Theaterleuten seit Beginn der Corona-Pandemie die Köpfe, wie man die nächste Spielzeit unter den neuen, schwierigen Bedingungen auf die Bühnen bringen kann.

Es müssen Probenmöglichkeiten für Musiker, Schauspieler und Sänger gefunden werden. Es müssen Vorstellungstermine angesetzt werden, eventuell sogar im Doppelpack. Und auch für die Arbeiten hinter und neben der Bühne, wo ohnehin alles dicht gedrängt ist, gilt es, coronakonforme Lösungen zu finden. Und dann gibt es natürlich auch noch das Publikum, das mit Abstand gesetzt werden muss und überhaupt erst einmal sicher ins Haus und später auch wieder heraus geleitet werden soll.

Doch im Moment ist für die neue Spielzeit, die im September beginnt, noch kein verbindliches Regelwerk vorhanden. Ob es ab September Schnelltests für Tänzer oder Sänger gibt? Ob Zuschauer durchgängig Mundschutz tragen müssen? Ob die für Pulte angedachten Plexiglaswände rechtzeitig geliefert werden? Wer weiß das heute schon.

"Wir gehen nicht davon aus, dass wir große Chöre auf der Bühne haben werden", erzählt Intendantin Cathérine Miville. Regisseure wüssten, dass sie Schauspieler und Sänger in ihren Inszenierungen nicht wie sonst normal miteinander umgehen lassen können. Und sie macht deutlich, dass schon allein bei den Arbeiten hinter und neben der Bühne, etwa beim Umbau, "jeder Handgriff abgeklärt" sein muss. Und im Musiktheater kann auch nicht alles komplett auf Klavierbegleitung umgestellt werden.

"Es ist eine Herausforderung für die Dispo. Bühnenkapazitäten sind das Nadelöhr", betont Miville. Schon allein bei Auf- und Abbau sei zu berücksichtigen, dass jeden Morgen bis zur Mittagszeit eine Bühnenprobe möglich sein müsse. Und außerdem sei aktuell schwer zu klären, ob Gäste auch an einem bestimmten Termin verfügbar sein werden. "Intendanten haben wohl noch nie soviel miteinander kooperiert", sagt Miville und berichtet von täglichen Telefonaten.

Eines steht für die kommende Spielzeit aber schon sicher fest: "Wir werden kaum freien Verkauf haben." Die Zahl der Plätze pro Vorstellung im Großen Haus und im Theaterstudio dürfte, auch wegen Abstandsregelungen, deutlich eingeschränkt sein. Hinzu kommt, dass viele, die für die vorherige Spielzeit, übrigens ausgerechnet noch dazu die erste mit Langzeitkartenvorverkauf, Karten oder Abos gekauft haben, für die ausgefallenen Vorstellungen unbegrenzt gültige Gutscheine bekommen haben. Diese werden wohl in der neuen Spielzeit eingelöst werden - wobei das Stadttheater dazu anregt, solche Gutscheine möglichst an Freunde und Bekannte weiterzureichen und das eigene Abo zu verlängern. Abonnenten kann man aber auch nicht frei im Saal verteilen, denn wer für einen festen Platz in einer der ersten Reihen bezahlt hat, will sich gewiss nicht im zweiten Rang wiederfinden.

Auf die eigentlich anstehende Abo-Preiserhöhung wurde wohlweislich verzichtet. Alle angebotenen Vorstellungen - auch Gastspiele und Sonderveranstaltungen - werden daher vorab exklusiv Abonnenten angeboten. Erst nach einer Buchungsfrist für Abonnenten gehen Plätze in den allgemeinen Vorverkauf.

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