Romano Henning (r.) und Dirk Wussow erklären im Kreisel auf dem Verkehrsübungsplatz in der Weststadt, wie die Kinder fahren sollen. FOTO:SEG
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Romano Henning (r.) und Dirk Wussow erklären im Kreisel auf dem Verkehrsübungsplatz in der Weststadt, wie die Kinder fahren sollen. FOTO:SEG

Viele Kinder ohne Fahrpraxis

  • vonSebastian Schmidt
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Nach den Sommerferien werden sich Kinder auch wieder mit dem Fahrrad auf den Schulweg machen. Die Radfahrausbildung der Viertklässler ist wegen Corona aber theoretisch geblieben. Im Ferienprogramm holen jetzt Kinder die Praxis nach.

In Gießen haben 331 Kinder dieses Jahr wegen Corona keine praktische Fahrradausbildung bekommen", sagt Verkehrspolizist Dirk Wussow. Im gesamten Landkreis seien es sogar 1079. Zusammen mit Kollege Romano Henning leitet der Polizist diese Woche den gefragten Kurs "Radfahrausbildung mit Fahrradführerschein" des Gießener Ferienprogramms. Die Verkehrserzieher wollen nachholen, was wegen Corona ausgefallen ist.

Normalerweise findet für alle Viertklässler eine Radfahrausbildung statt. Henning erklärt: "Die Theorie bekommen die Kinder in der Schule beigebracht und auf dem Verkehrsübungsplatz folgt dann der praktische Teil." Weil der dieses Schuljahr ausgefallen ist, habe es einen größeren Ansturm als sonst auf die Kurse des Ferienprogramms gegeben, erzählt Matthias Lotz von der Jugendpflege der Stadt. Vielleicht war die Nachfrage aber auch größer, weil andere Kurse wegen Corona gar nicht erst stattfinden konnten.

Überschaubare Teilnehmerzahl

Trotzdem bleibt die Teilnehmerzahl wegen den Corona-Regeln überschaubar. Es dürften nur zwei Infektionsgruppen gleichzeitig an einem Kurs teilnehmen, sagt Lotz. Der Jugendpfleger erläutert: "Wir zählen dabei eine Schulklasse als eine Infektionsgruppe." Das heißt, dass nur Kinder aus zwei unterschiedlichen Schulklassen gleichzeitig an einem Kurs teilnehmen dürfen. Bei der "Radfahrausbildung mit Fahrradführerschein" haben sich schließlich acht Kinder angemeldet, von denen sechs gekommen sind.

Die Verkehrserzieher kontrollieren als Erstes die Sicherheit der Räder. Wussow sagt: "Das sind die Hausaufgaben für die Eltern gewesen." Aber bei den Kinderrädern habe sich in den letzten Jahren einiges getan, erklärt Henning. Die Sicherheit habe stark zugenommen. Neben den Rädern achten die Polizisten auch auf die Helme: "Bei uns fährt keiner ohne Helm." Wenn Wussow erklärt, wie man die richtig einstellt und worauf man achten muss, können selbst die Eltern noch etwas lernen. Der Polizist erläutert: "Das Rad hinten ist nur, um den Kopfumfang einzustellen. Die Gurte müssen sitzen und den Helm halten."

Dann beginnt das Radfahren. Die Kinder üben, wie sie mit dem Fahrrad vom Bürgersteig sicher auf die Straße kommen. Danach müssen die Kinder Hindernisse umfahren. Sich umschauen, ein Handzeichen geben und sich dann richtig einordnen sind nur die ersten Schritte eines kleinteiligen Manövers, das komplizierter ist, als man denken mag.

Bauchgefühl für Gefahren

Wussow hält das praktische Erproben der Lerninhalte für wichtig. Er erklärt: "Wir haben eine Teilnehmerin, die fährt jetzt noch sehr unsicher. Aber wenn sie am Freitag hier vom Platz fährt, wird sie eine sichere Fahrradfahrerin sein." Es gehe auch gar nicht so sehr darum, den Kindern jede einzelne Verkehrsregel beizubringen. Wussow sagt: "Die Kinder sollen aber ein Bauchgefühl für gefährliche Situationen bekommen." Sie wollen den jungen Verkehrsteilnehmern drei Verhaltensweisen mitgeben: hinschauen, Gefahren erkennen und reagieren.

Die beiden Verkehrserzieher sehen es mit Sorge, dass so viele Kinder jetzt ohne praktische Radfahrausbildung ihre Grundschulzeit beenden. Wussow: "Sie sollen ja jetzt teilweise auch mit dem Rad zur weiterführenden Schule fahren." Durch den Schulwechsel sei es auch nicht so einfach, die entfallenen Kurse nachzuholen. Darum müssten sich jetzt nämlich nicht mehr die Grundschulen kümmern, die für die Radfahrausbildung zuständig sind, sondern die weiterführenden Schulen. Die Polizisten würden es begrüßen, wenn diese Schulen die praktische Radfahrausbildung nachholen würden und Wussow versichert: "Wir wären bereit."

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