Viele Ideen für »OHM« 2.0

  • VonDagmar Klein
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Durchweg gut besucht waren die vier Veranstaltungen des Stadt[Labor]Gießen in der Kunsthalle. »Diese vier Tage geben Mut und Zuversicht für die Neukonzeption des Oberhessischen Museums«, bilanziert OB Grabe-Bolz.

Wer fragt, bekommt viele Antworten. Dieser Satz von Moderatorin Ingke Günther könnte ein Fazit der Freitag-Veranstaltung im Denk.Raum.Museum sein. Kulturamtsleiterin Sabine Maiwald managt den auf zwei Jahre angelegten Prozess zur Zukunft des Oberhessischen Museums als »OHM« 2.0, fokussiert auf die Stadtgeschichte. Sie verwies auf die drei kommenden Veranstaltungszyklen, die dann mit Ausstellungen zu Stadtgeschichte, Stadtansichten und Stadtidentität verbunden werden sollen.

Für den »Dialog mit der Stadtgesellschaft« hatte das Team Stadt[Labor]Gießen, bestehend aus Günther und Jörg Wagner, Vereine eingeladen, ihre Arbeit im Hinblick auf die Bedeutung für die Stadt vorzustellen und möglichst ein Objekt mitzubringen, das den Weg ins Museum finden könnte. Es waren bewusst Gruppen ausgewählt worden, deren Arbeit eher museumsfern ist. Bis auf den Oberhessischen Geschichtsverein, der sich als Museumsgründer bis heute in der Verantwortung für das Museum sieht. Dies stellte Jobst Krautheim vor, der die OHG-Arbeitsgruppe Museum leitet.

Für den mitgliederstärksten Verein in Gießen, den MTV, sprachen die beiden Vorsitzenden Mehmet Tanriverdi und Thomas Webler und hatten eine Siegerurkunde und einen historischen Siegerehrenkranz mitgebracht.

Eingeladen waren: das Zentrum für interkulturelle Bildung und Begegnung, das Menschen aus verschiedenen Nationen zusammenbringt. Vertreter Sadullah Gülec hatte eine Balalaika mitgebracht. Die Ateliergemeinschaft Galerie 23 fördert künstlerisch begabte Menschen mit Behinderung und ist glücklich über den Ausstellungsraum im Seltersweg 55, der zum geselligen Ort geworden ist, wie Andrea Lührig sagte. Sie hatte das Bild eines verstorbenen Künstlers mitgebracht und forderte, Inklusion müsse Einzug halten in jedes Museum der Welt.

Ein Aufzug am Leib’schen?

Das Duo Flux-Stadtimpulse hatte einen Stadtgarten auf dem einstigen Samen-Hahn-Geländes angelegt und berichtete, ein Anzugträger habe sogar mit einer Wasserflasche die Blumen gegossen. Daher brachte Niels Seipel eine symbolische Flasche mit. Cornelia Mim, Bärbel Weigand und Renate Binder von der Werkstattkirche verblüfften mit einem »Hoingkrührer«, der in der Nordstadt früher beim gemeinsamen Pflaumenmus-Rühren benutzt wurde.

Sinem Özkan von »angekommen« hatte ein »Uno«-Spiel als Symbol für Kommunikation mitgebracht.

Ein weiterer Gruppenvertreter bat ums Wort. Die Facebook-Gruppe »Rettet die Alte Post« hat Ideen gesammelt, was künftig mit dem Gebäude passieren solle und sich für eine Museumsnutzung, für ein »Historicum« ausgesprochen. Peter Eschke wies auf die vielen Lücken in der bisherigen musealen Präsentation von Stadtgeschichte hin und darauf, dass das Leib’sche Haus zu klein sei.

Die Kerbe des Pragmatischen vertiefte eine ehrenamtliche Aufsichtskraft des Museums, die darauf hinwies, dass ausgerechnet die stadtgeschichtliche Abteilung durch die vielen Treppen und Stufen für körperlich Behinderte nicht zu erreichen sei. Ihr Vorschlag: ein Aufzug zwischen den Gebäuden, damit Besucher ebenerdig einsteigen können.

Weitere Vorschläge forderten eine Sitzecke mit Möglichkeit zum Kaffeetrinken, lesen und miteinander reden, das Hinausgehen der Objekte aus dem Museum etwa in Vitrinen in der Stadt. Im zweiten Teil des Abends stellten die Vertreter der Ausstellungsprojekte den Stand ihres Arbeitsprozesses vor. Man darf gespannt sein, was an Ideen noch alles hervorgebracht wird, sich als tragfähig erweist und was letztlich realisiert wird.

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