Altes Gießen

Viele Ideen für "Historische Mitte"

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Die Bürgerinitiative "Rettet die Alte Post" macht sich für eine "Historische Mitte Gießen" stark. Die Ideen zum Wiederaufbau reichen von mittelalterlichen Wallanlagen bis zum Liebig-Denkmal.

Es gibt Ideen, die liegen eigentlich auf der Hand, aber das bedeutet nicht, dass sie einfach umgesetzt werden können. Zwölf Jahre ist es zum Beispiel jetzt her, da regte der Gießener CDU-Vorsitzende Klaus Peter Möller die Gründung einer Bürgerstiftung an, um Gott Apoll samt seinem Streitwagen und den beiden Posaunenbläsern wieder auf dem Stadttheater galoppieren zu lassen. Aber wie man sieht, wurde daraus nichts, obwohl der Vorschlag damals auf breite Zustimmung stieß. Nun ist der Stadttheater-Apoll, der als "Metallspende" vor dem ersten Weltkrieg beim Militär spurlos verschwand, wieder aufgetaucht, und zwar als eine von ganz vielen Ideen für eine "Historische Mitte Gießen", die die Bürgerinitiative "Rettet die Alte Post" zur Diskussion gestellt hat.

Frankfurter Altstadt als Anstoß

Den Anstoß für das neue Thema der Bürgerinitiative gab unter anderem die große Resonanz, auf die die Rekonstruktion der Frankfurter Altstadt stößt. In Gießen sollten an "wichtigen Punkten und Kreuzungen" Gebäude rekonstruiert werden, die der Bombardierung und dem Nachkriegs-Bauboom zum Opfer gefallen sind, heißt es in einer Erklärung, mit der die BI um die Jahreswende in die Öffentlichkeit gegangen ist. Mittlerweile gibt es auch eine Facebook-Gruppe, der sich bereits über 150 Personen angeschlossen haben. Eine "komplette Rekonstruktion" der Gießener Altstadt hält die BI aus Gründen vor allem des Platzes und der Eigentumsverhältnisse sowie des Brandschutzes allerdings für nicht realistisch.

Die "Wiederaufbaugedanken" der Bürgerinitiative reichen von der Rekonstruktion des mittelalterlichen Marktplatzes mit Rathaus, Kaminka-Haus und Engel-Apotheke, der Wache am Landgraf-Philipp-Platz oder des dritten Burgmannenhauses am Kirchenplatz über die Sichtbarmachung der frühneuzeitlichen Wallanlagen bis zur Öffnung des vermauerten Stadtkirchenturms, zum Wiederaufbau der historischen Universitätsbibliothek oder des Liebig-Denkmals.

Info-Veranstaltung geplant

Treibende Kräfte hinter den Wiederaufbaugedanken sind die BI-Sprecher Jan-Patrick Wismar und der frühere Stadtbedienstete Peter Eschke. Sie wollen schon bald eine "große Informationsveranstaltung" durchführen und zu der die Stadtpolitiker einladen. Von denen erwartet die BI nicht weniger als einen "Masterplan", der den Weg zur "Historischen Mitte Gießen" weisen soll. Zudem soll ein Infoblatt verteilt und das Gespräch mit Geschäftsleuten und Hauseigentümern der City gesucht werden. Ziel dieser Aktivitäten müsse es sein, dass "Disneyland-Argument" gegen das historisierende Bauen zu entkräften.

Einige der rund 50 BI-Ideen werden freilich bereits in anderen Zusammenhängen verfolgt. Zum Beispiel beim Projekt "Stadtgrün", wo die Aufwertung der Schlossgasse, die bessere Anbindung des Botanischen Gartens oder die Neugestaltung des Platzes vor dem Arbeitsamt Themen sind. Vom BID-Verein Theaterpark wiederum ist der Wunsch bei der Stadt hinterlegt, den Park regelmäßig für Veranstaltungen zu nutzen. Und auch die Rückkehr des Pilzbrunnens vom Oswaldsgartenm, der laut BI gut in die Kaplansgasse passen würde, war von Bürgern bereits vor etlichen Jahren gewünscht worden. Anders als beim Apoll wusste man damals zwar, dass die Einzelteile im Gartenamt liegen, aber für die verrosteten Sprudelpilze fand sich bis heute kein Platz.

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