Im Aulweg, auf dem Klinikumsgelände, hat die Herz-Lungen-Forschung ein eigenes Gebäude. FOTO: SCHEPP
+
Im Aulweg, auf dem Klinikumsgelände, hat die Herz-Lungen-Forschung ein eigenes Gebäude. FOTO: SCHEPP

Viel Geld für Herz-Lungen-Forschung

  • vonRedaktion
    schließen

Gießen(pm). Herz und Lunge sind ein perfektes Team: So kann die rechte Herzkammer die Versorgung des Körpers mit Sauerstoff bei körperlicher Belastung um ein Mehrfaches steigern; die dünnwandigen Lungengefäße bieten einen nahezu widerstandsfreien Blutfluss, was die Sauerstoffaufnahme optimiert. Doch dieses Zusammenspiel ist bei vielen Erkrankungen gravierend gestört, unter anderem bei der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD), bei Covid-19, Lungenkrebs, Herzinsuffizienz und insbesondere beim Lungenhochdruck (Pulmonale Hypertonie). Hier führen verdickte Lungengefäßwände zu einer Verkleinerung des Querschnitts, sodass der rechte Herzmuskel durch das erschwerte Pumpen überlastet wird. Leistungseinschränkungen, Luftnot und Wassereinlagerung sind die Folgen.

Um neue Therapiestrategien für den tödlichen und bislang unheilbaren Lungenhochdruck und die Überlastung des rechten Herzens zu entwickeln, erforschen Wissenschaftler unter Federführung der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) im Rahmen eines DFG-Sonderforschungsbereichs (SFB) die krankmachenden Umbauprozesse in Lunge und Herz. Nun wurde die Förderung für den SFB 1213 "Pulmonale Hypertonie und Cor pulmonale" verlängert: Für die kommenden vier Jahre stellt die DFG dem Sonderforschungsbereich rund 13,84 Millionen Euro zur Verfügung.

"Ich freue mich sehr darüber, dass die wichtige Arbeit unseres Forschungskonsortiums so honoriert wurde und nun fortgesetzt werden kann", sagte Prof. Norbert Weißmann, Sprecher des Sonderforschungsbereichs, der eine Professur im Exzellenzcluster Cardio-Pulmonales Institut (CPI) an der JLU innehat. "Unser Vierjahres-Etappenziel auf dem Weg, neue Zielstrukturen für die Behandlung des Lungenhochdrucks und des Versagens des rechten Herzens zu finden, haben wir erreicht."

So identifizierten die Wissenschaftler unter anderem einen molekularen Mechanismus, der die Erkrankung aus der Wand der Gefäße heraus steuert. Mit diesen Erkenntnissen konnten sie vielversprechende Erfolge bei der Behandlung von Lungenhochdruck mit einem Krebsmedikament erzielen. Erstmalig konnte eine wichtige Verbindung zwischen Lungenhochdruck und Lungenkrebs aufgezeigt und ähnliche Mechanismen in Krebszellen sowie in Lungengefäßzellen gefunden werden. Diese führen zu einer ungehemmten Vermehrung von Zellen und Ausbildung von Gewebewucherungen. Dieser bahnbrechende Befund könnte zur Entwicklung von zielgerichteten Therapien für beide Indikationen führen. Konsequenterweise beschäftigt sich in der kommenden Förderperiode ein neues Projekt mit der genaueren Entschlüsselung der Gemeinsamkeiten zwischen Krebs und Lungenhochdruck.

Zudem haben die Forscher aufgeklärt, mit welchen Mechanismen die rechte Herzkammer die Überlastung bei Lungenhochdruck kompensiert bzw. was geschieht, wenn diese Mechanismen nicht mehr greifen - die sogenannte Dekompensation. Sie konnten unter anderem zeigen, dass bestimmte Medikamente die Herzmuskulatur stabilisieren und somit einem fortschreitenden Funktionsverlust vorbeugen können.

Internationales Interesse

Nicht zuletzt durch die Corona-Krise rückt der Sonderforschungsbereich "Pulmonale Hypertonie und Cor pulmonale" in das Zentrum internationaler Aufmerksamkeit. Er ist federführend am Zentrum für Innere Medizin der Medizinischen Klinik II am Fachbereich Medizin der JLU angesiedelt. Beteiligt sind außer der JLU das Max-Planck-Institut für Herz-Lungenforschung und der Campus Kerckhoff der Justus-Liebig-Universität Gießen und ihres Fachbereichs Medizin in Bad Nauheim sowie die Philipps-Universität Marburg. Eine enge Kooperation besteht zudem mit dem Imperial College London (Großbritannien).

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare