Jutta Seifert
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Jutta Seifert

Viel Arbeit in Psychiatrie-Ambulanz

  • Christine Steines
    vonChristine Steines
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In der Ambulanz der Klinik für Psychiatrie des UKGM gibt es in der Pandemie viel Arbeit. Menschen, die zuvor schon psychisch instabil waren, sind es jetzt erst recht. Und viele zuvor Gesunde kommen nun auch an ihre Grenzen. Das Aktionsbündnis seelische Gesundheit gibt Tipps, um psychisch stabil zu bleiben. Und ermuntert gleichzeitig dazu, psychisch Kranken offen zu begegnen.

Handhygiene! Wir alle haben die AHA-Regeln verinnerlicht: Abstand, Hygiene, Alltagsmaske. Doch was ist, wenn aus der neuen Routine ein Zwang wird, wenn sich jemand immerzu die Hände wäscht, sie blutig schrubbt und doch nie das Gefühl hat, sauber und damit sicher zu sein? Angststörungen und damit einhergehende Zwänge sind ein Beispiel dafür, was Menschen dazu veranlasst, die Hilfe der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie in Anspruch zu nehmen. In der Ambulanz melden sich mehr Patienten als vor der Pandemie, schildert Prof. Christoph Mulert, der Direktor der Klinik. Dem Beratungs- und Therapiebedarf werde man mit Telefon- und Videogesprächen, aber unter Einhaltung der Corona-Regeln auch im persönlichen Gespräch gerecht. Wo ein ambulantes Angebot nicht ausreiche, komme auch eine stationäre Aufnahme infrage. In der Klinik gibt es vier Stationen mit insgesamt 88 Betten. Derzeit sei man nicht voll ausgelastet, aber gut belegt.

Die Chance, etwas Neues zu wagen

Doch Sorgen und Ängste in Familie und Job machen auch Menschen zu schaffen, die bisher gesund waren, schildert Mulert. Aus diesem Grund hat das Aktionsbündnis seelische Gesundheit in diesem Jahr das Thema Resilienz in den Fokus gerückt. Am 10. Oktober wird es mit einem Stand auf dem Seltersweg zu finden sein, zudem gibt es am 15. Oktober einen Online-Vortrag von Prof. Oliver Tüscher (Universität Mainz), der sich u. a. mit Resilienzforschung beschäftigt (für Zugangsdaten: E-Mail an info@seelischegesundheit-giessen.de).

Was tut mir gut, was zieht mich runter? Mit diesen Fragen will das Aktionsbündnis, das aus Experten, Angehörigen, Verbänden und Kommunen besteht, dazu ermuntern, die eigene seelische Gesundheit zu stärken und Energie aus dem zu schöpfen, was Freude bereitet. Zu Mulerts Tipps gehört das Überdenken des Informationsbedürfnisses. Statt sich stündlich aus vielen Kanälen auf den neuesten Nachrichtenstand zu bringen, sei eine zeitliche Begrenzung und die Auswahl seriöser Quellen hilfreich. Eine gute Idee sei es auch, neue Rituale zu pflegen, statt den alten nachzutrauern. Auch ein Perspektivwechsel sei reizvoll. Der Verzicht auf das gewohnte Hobby sei zweifellos traurig, aber vielleicht könne man die Zeit ja für etwas ganz Neues nutzen. Mulert: "Wenn man offen ist, kann das auch eine Chance sein." Und noch etwas tut gut: Wer Verantwortung für andere übernimmt, profitiert selbst davon, versichert der Psychiater. Helfen hilft, diese Erfahrung haben im Frühjahr viele gemacht, die für andere eingekauft oder ihnen sonst wie eine Freude gemacht haben. Das funktioniert auch ohne Lockdown.

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