Die Theodorsruh unweit des Leihgesterner Wegs ist Namensgeberin eines Wanderwegs durch Gießens Wälder. FOTO: SCHEPP
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Die Theodorsruh unweit des Leihgesterner Wegs ist Namensgeberin eines Wanderwegs durch Gießens Wälder. FOTO: SCHEPP

Verwunschen bis sportlich

  • Karen Werner
    vonKaren Werner
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Der Theodorsruhweg macht deutlich: Stadtwald muss nicht langweilig sein. Auf sieben Kilometern Länge verbindet er den Bergwerkswald mit dem Schiffenberg. Etwa doppelt so lang wird er, wenn man eine Runde wandert.

Joggend, radelnd, spazierend: Ich bin seit 30 Jahren viel in den Wäldern rund um Gießen unterwegs. Die Theodorsruh hatte ich aber noch nie entdeckt, bis ich im dienstlichen Auftrag den gleichnamigen Wanderweg ausprobiert habe.

Die Sieben-Kilometer-Strecke, markiert mit rotem Punkt, führt vom Bergwerkswald zum Schiffenberg - oder umgekehrt. Bei der ersten Variante geht man mehr bergauf und erklimmt am Schluss die steilste Steigung. Die Busanbindung am Ziel ist lückenhaft. Bei der zweiten kommt der landschaftliche Höhepunkt zum Schluss, nämlich das Naturschutzgebiet Bergwerkswald. Von dort hat man es nicht weit zur Haltestelle der Stadtbuslinie 3/13.

Ich gehe zu Fuß von der Innenstadt durch das Klinikumgelände zum Neubaugebiet Schlangenzahl und gelange über den ehemaligen Parkplatz am Schwarzacker in den Bergwerkswald. Der schmale Weg führt bergauf und bergab, über Stock und Stein. Die verwunschene Kraterlandschaft entstand durch Erzbergbau (bis 1952) und Weltkriegsbomben. Ständig stößt man auf idyllische Teiche, Aussichtspunkte; seltene Pflanzen und Tiere sind hier zu Hause. Die städtische Broschüre "Naturschätze in Gießen", zu haben im Rathaus, führt sie auf. Vor allem am Wochenende sorgt die Nähe zu Wohngebieten und Studierendenwohnheimen für regen Spazier-Betrieb.

Nach der Überquerung des Gießener Rings geht es durch Linden-Oberhof mit einer Fachwerkvilla, die an britische Filme erinnert. Kein Wunder, wurde sie doch Mitte des 19. Jahrhunderts für den englischen Bergwerksdirektor Ebenezer Waugh Fernie gebaut.

Gehen an der L 3131 lässt sich vermeiden

Über den Leihgesterner Weg hinweg folge ich dem roten Punkt in einen schmalen Pfad, schlängle mich an einem umgefallenen Baumstamm vorbei und treffe auf einer Anhöhe im Wald auf die Theodorsruh. Sie entpuppt sich als kleine Schutzhütte, die genau genommen bereits auf Lindener Gemarkung liegt. Nach welchem Theodor sie benannt ist, bekomme ich nicht heraus.

Auf breiten Wegen geht es nun gewunden bergab. Ich quere die Straße nach Watzenborn-Steinberg und dann die Bahnlinie. Direkt dahinter zweigt ein schmaler Pfad an den Gleisen entlang in Richtung Petersweiher. Ich kann nicht widerstehen, zumal ich auf der Karte sehe, dass ich mit dieser Route ein ganzes Stück Fußweg entlang der viel befahrenen Landesstraße 3131 (Schiffenberger Weg) vermeide. Später erfahre ich, dass der Vogelsberger Höhenclub erwägt, den Weg ähnlich zu verlegen. Auch nahe Petersweiher ist das Queren der breiten Straße mit den schnellen Autos kein Vergnügen.

Dafür wird der letzte Abschnitt wieder urig - und sportlich. Steil geht es auf schmalen Wegen und schließlich auf Treppen zur mittelalterlichen Klosteranlage. Hier warten großartige Ausblicke, mit etwas Glück hat der Kiosk geöffnet und die interessante Galerie. An Sonntagen fährt hier auch ein Stadtbus (Linie 6). Ansonsten muss man ein gutes Stück gehen zur nächsten Bushaltestelle in Petersweiher oder am Forstgarten (Linien 372, 375, 377). Ich hänge die fünf Kilometer in die Stadt einfach zu Fuß an. Der "Klosterweg" (roter Strich) führt stetig bergab. Nach insgesamt knapp 15 Kilometern bin ich wieder in der Fußgängerzone - und belohne mich mit einem Eiskaffee.

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