Versprechen vom großen Klang eingelöst

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Gießen (bf). Ganz und gar nicht alltäglich hörte sich das sonntägliche Konzert in der Petruskirche an. »Posaune, Orgel, großer Klang« war das Motto, und die Solisten lieferten beste Qualität ab. Ein Schmankerl war Herfried Menckes Werk »Klimawolken«, das hier zur Uraufführung gelangte.

Martin Wilhelmi (Posaune), Herrmann Wilhelmi (Orgel, Bearbeitungen), Cornelius Mann (Sprecher) und Heidi Schneider (Sopran) fungierten als Solisten. Kantorin Marina Sagorski begrüßte »ganz besonders« ihren Vorgänger im Amt, Herfried Mencke.

Organist Wilhelmi begann Enjott Schneiders »Ataccot« nach der Toccata d-Moll von J. S. Bach groß und flott. Das fand mit einem humorvoll abrupten Abschluss ein knackiges Ende - und machte Spaß.

Posaunist Martin Wilhelmi stand anschließend im Fokus, vorne vorm Altar. Er musizierte Johann Sebastian Bachs Präludium für Posaune solo - aus der Suite Nr. 2 d-Moll BWV 1008 für Cello solo. Da war schon der große Klang. Wilhelmi gestaltete feine Nuancen sowie die Dynamik- und das Volumen mit spürbarer Verve.

Das nächste Glanzlicht zündete Hermann Wilhelmi. Seine Umsetzung von Beethovens Bagatelle C-Dur Nr. 5 aus den 7 Bagatellen op. 33 für Klavier nahm sogleich gefangen. Er musizierte mit tänzerischem Schwung und im Intro mit authentischem Jahrmarktduktus. Die Hauptattraktion war, wie er die Musik förmlich aus der Orgel hinausrollen ließ.

In Carl Maria von Webers Romanze in c-Moll für Posaune und Orchester ICW 63 wirkten Orgel und Posaune besonders gut zusammen. Man begann in gemessenem Tempo, die Posaune bot eine schöne Stimmungsdifferenziertheit. Fabelhafter Abschluss mit sehr guter Kooperation von Orgel und Posaune.

Eugène Gigouts Toccata h-Moll Nr. 4 aus den zehn Stücken für Orgel (1890) war das nächste Glanzlicht. In Laundy Gröndahls Satz 1 »Moderato assai ma molto maestoso« aus dem Konzert für Posaune und Orchester (1924) erklang die Posaune angenehm kantabel, wurde dann etwas prägnanter und lieferte einen sehr guten Abschluss. Da wurde das Versprechen vom »großen Klang« einmal mehr eingelöst.

Fast ungeduldig erwartete man die Uraufführung von Herfried Menckes »Klimawolken«. Besetzt mit Sprecher Cornelius Mann und Sopranistin Heidi Schneider, war das ein Hörerlebnis. In acht Teilen hörte, sah gleichsam und erlebte man ein vielschichtiges Musikschauspiel, das ein Wechsel von Sprache, etwas Gesang und vor allem Orgelpartien darstellt. Mächtig zog ein Orgeltiefbass zunächst die Aufmerksamkeit auf sich: ominös klang das, ungut. Im Wechsel zwischen Sprecher und Musik (»Dürre, Eisschmelze«) und diversen inhaltlichen, teils gesungenen Aspekten entstand ein Wechselspiel der textlichen Andeutung und musikalischen Umsetzung. Hierbei nutzte Mencke klassische ebenso wie moderne Aspekte, um eine griffige Stimmung zu schaffen. Besonders attraktiv war der »Sturm«, eine wahre Klangorgie. Am Ende gingen Tiefbassinterferenzen ins Geräusch über. Ein sehr vielfältiges, interessantes und in der Zeit ruhendes Werk.

Applaus für Vater und Sohn Wilhelmi

Sehr gut gelang Claus-Erhard Heinrichs »Joshua fit de battle of Jericho«, eine Spiritualimprovisation für Posaune und Orgel. Es folgte H. Wilhelmis »Gottes Atem - meta Mozart«, eine Rondo-Choralbearbeitung über EG 432 »Gott gab uns Atem«, mit Verwendung der Jupitersinfonie von Mozart.

Zum Schluss noch einmal starker Tobak: Mons Leidvin Takles »Sarajevo«. Erst stürmisch brodelnd, dann in fröhlichem Marschduktus und mit einem heftigen Klangfeuerwerk am Ende - das war großes Gefühl. Das Publikum applaudierte lange und mit Anerkennung für Mencke.

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