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Viele Jahre war das Manuskript verschollen. FOTO: PM

Das verschollene Manuskript

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In Deutschland gibt es gar nicht so wenige Anhänger der Edelsteinkunde. Ein Professor der Gießener Universität hat großen Anteil daran: Reinhard Brauns hat 1896 das Buch "Chemische Mineralogie" veröffentlicht. Lange Zeit galt das dazugehörige Manuskript als verschollen. Jetzt wurde es wiederentdeckt. Auch dank dieser Serie "Schätze der Uni".

Alissa Theiß ist seit einem Jahr die Sammlungskoordinatorin der Justus-Liebig-Universität. Für manche mag das nach einer trockenen archivarischen Angelegenheit klingen. Tatsächlich aber hat diese Tätigkeit Facetten, die selbst einen Indiana Jones begeistern würden. Zumindest trifft das auf den Fall zu, den Theiß in diesem Teil der Serie "Die Schätze der Uni" präsentiert.

Die Geschichte nimmt seinen Anfang im Jahr 1895. Zu jener Zeit beginnt Reinhard Brauns, als Professor der Mineralogie und Geologie an der Gießener Universität zu lehren. Mit seinem Buch "Das Mineralreich" aus dem Jahr 1903 machte er die Edelsteinkunde auch für Hobbyforscher populär. Aus wissenschaftlicher Sicht noch bedeutsamer war jedoch sein Werk "Chemische Mineralogie" aus dem Jahr 1896. Das Buch untersucht die Beziehungen zwischen Mineralogie und Geologie und thematisiert, welche Rolle die physikalische Chemie bei der Mineralienbildung spielt.

Das dazugehörige Manuskript gehörte viele Jahre zum Fundus der Justus-Liebig-Universität. 2005 sollte es dann im Zuge der Auflösung der Geowissenschaften zusammen mit den historischen Instrumenten der Mineralogischen Sammlung in einen Depotraum kommen. Aber wie es bei Umzügen manchmal ist, gehen Sachen verloren.

"15 Jahre später habe ich mich auf die Suche nach dem Verbleib der Objekte gemacht", erzählt Theiß. Nach so langer Zeit habe sich natürlich niemand mehr erinnern können, wo welche Kiste damals gelandet war. "Erschwerend kam hinzu", erklärt Theiß, "dass die meisten Beteiligten mittlerweile in Rente waren. Es gab auch Gerüchte, dass damals alles entsorgt worden ist." Die Nachforschungen der Sammlungsbeauftragen liefen immer wieder ins Leere.

Wiederentdeckung nach 15 Jahren

Den Durchbruch brachte diese Serie, die seit einigen Wochen einzelne Stücke der universitären Sammlungen vorstellt. "Dadurch wurden die Kollegen der Gefahrstoffabteilung auf die Sammlungskoordination aufmerksam. Ich bekam einen Anruf: Vor vielen Jahren hätten Mitarbeiter der Abteilung bei einem Umzug Objekte aufgehoben. Ob ich vielleicht dafür zuständig sei", erzählt Theiß. Wie sich herausstellte, handelte es sich um die gesuchten Überreste der Geowissenschaften. Die historischen Instrumente hatten gemeinsam mit dem Manuskript seit mindestens zwölf Jahren dort im Keller gestanden. "Sie waren ordentlich in einer Vitrine ausgestellt und beschriftet. Dadurch sind sie einem ungewissen Schicksal entgangen", sagt Theiß und betont in diesem Zusammenhang, dass dieses wertvolle Relikt der Gießener Universitätsgeschichte nur durch die Initiative und das Engagement der Mitarbeiter bewahrt werden konnte.

Ein Happy End, über das sich nicht nur Theiß freut. Durch einen Datenbankeintrag bei Kalliope, einem Verbund für die Erschließung von Archivbeständen, können nun Wissenschaftler aus aller Welt von der Existenz des Manuskripts erfahren.

Und auch in Gießen soll der Fund schon bald den Stellenwert erfahren, den er auch verdient hat. Während das Manuskript zusammen mit der gedruckten Originalpublikation in der Universitätsbibliothek konservatorisch bestmöglich gelagert wird, sollen die Instrumente zur Mineralienbestimmung,die bis auf die Mitte des 19. Jahrhunderts zurückgehen, in der Hermann-Hoffmann-Akademie ausgestellt werden.

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