Die Vernunft hat gesiegt

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Gießen (dkl). Dieses Treffen im Alten Schloss war geprägt von Gesten der Versöhnung und gegenseitigen Wertschätzung. Der Gießener Kunstverein 1912 hatte nicht einfach zur Finissage der Otto-Ubbelohde-Ausstellung geladen, sondern zu einer "einverständlichen Klärung der Besitzverhältnisse des Gießener Kunstvereins 1912".

Gießen (dkl). Dieses Treffen im Alten Schloss war geprägt von Gesten der Versöhnung und gegenseitigen Wertschätzung. Der Gießener Kunstverein 1912 hatte nicht einfach zur Finissage der Otto-Ubbelohde-Ausstellung geladen, sondern zu einer "einverständlichen Klärung der Besitzverhältnisse des Gießener Kunstvereins 1912".

Hintergrund ist der vor fünf Jahren öffentlich gewordene Streit um die Bilder der Sammlung des Kunstvereins, die seit Jahrzehnten als Leihgaben im Museum waren, jedoch als solche nicht gekennzeichnet waren. Der damalige Museumsleiter vertrat eine andere Position, die Rechtsabteilung der Stadt versuchte Zurückliegendes zu klären, was bei den vielen Missverständnissen und Fehlhandlungen naturgemäß schwierig war. Die Fronten verhärteten sich. Erst jetzt ist Ruhe eingetreten, die Bildersammlung geht als Schenkung in den Besitz der Stadt.

Zu danken ist dies der beharrlichen Zusammenarbeit von zwei Frauen, die in der Nachfolge der beiden Parteien stehen. Die Vereinsvorsitzende Susanne Ließegang und Kulturamtsleiterin Simone Maiwald hatten sich beim jeweiligen Amtsantritt mit dem Thema zu befassen. Letztendlich sind sie zu dem Schluss gekommen, dass gegenseitige Vorwürfe und ein Kleinklein in der Argumentation nicht weiterhelfen. Die Vernunft hat gesiegt.

Darüber freuten sich alle, die dem historischen Augenblick im Museum beiwohnten. Ließegang machte in ihrer Rede deutlich, dass zukünftig der bislang brachliegende Schatz der Kunstverein-Bildersammlung endlich genutzt werden könne. Auf einem Laptop war eine Auswahl der 17 Gemälde, 175 Aquarelle, 149 grafischen Arbeiten, 20 Drucke anderer Art und 56 Zeichnungen zu sehen. Da keimte der Wunsch, dass es recht bald eine Ausstellung mit diesen Werken geben möge, die bislang kaum jemand in ihrer Fülle gesehen hat. Der Kunstvereinsvorstand will bei der Vermittlung von Bildern der Vergangenheit unterstützen. Was bedeuten diese Bilder den heutigen Betrachtern? Dieser Frage will Ließegang nachspüren.

Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz dankte im Namen der Stadt für die "großzügige Geste" des Kunstvereins und war sichtlich erleichtert, dass der quälende Brocken endlich beseitigt war. Sie wies auf die Tradition der bürgerschaftlichen Initiativen in dieser Stadt hin, ohne die es so manche Errungenschaft nicht gäbe. Auch sah sie die Schenkung als Auftakt für die Neukonzeptionierung des Oberhessischen Museums, die die Stadt gemeinsam mit Experten und Bürgern auf den Weg bringen wolle.

Als Dritte im Bunde sprach Prof. Sigrid Ruby, seit Herbst zuständig im Institut für Kunstgeschichte, als Vertreterin der Universität. Sie sprach als Nachfolgerin des Kunsthistorikers Christian Rauch, der einst zum Gründungsvorstand des Kunstvereins gehört hatte, mit dem Künstler Ubbelohde bekannt war und dafür gesorgt hatte, dass die erste Ausstellung des Kunstvereins eine mit Ubbelohde-Werken war. Und er setzte sich dafür ein, dass der Kunstverein das großformatige Gemälde "Hessische Landschaft" ankaufte, um es der Stadt zu übergeben. Es gilt als Gründungsbild des Kunstvereins und hing bislang im Treppenhaus im Alten Schloss.

Ruby sagte, sie freue sich über die "Teilhabe der Universität an diesem symbolischen Tableau" und hoffe, ihren Teil zur "Friedensbegegnung" beitragen zu können. Sie betonte, dass die für die Lehre der Kunst Zuständigen der Universität ein großes Interesse an der Kooperation mit dem Museum haben. Es sei wichtig, dass Studierende auch vor Ort mit Kunstwerken arbeiten können. Und Museumsleiterin Sabine Philipp habe damit begonnen, die Inventarisierung auf professionelle Füße zu stellen. Nur auf dieser Grundlage könne auch wissenschaftlich gearbeitet werden.

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