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An Markttagen Gemüse und Blumen, sonst Autos, Autos, Autos. FOTO: CG

Verlassene Fläche voller Blechkisten

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Noch eine Runde. Am Spätnachmittag sind alle Parkplätze auf dem Brandplatz belegt, Autofahrer müssen Glück haben, um eine Lücke zu erwischen. Und darauf setzen sie. Die Frau mit dem silbernen Mazda und dem Kleinkind auf dem Rücksitz, der alte Herr mit Hut in dem dunkelblauen Audi, die Fahrerin eines kleinen roten Fiat. Sie kreisen mehrfach um die geparkten Wagen und halten nach Passanten Ausschau, die zu ihren Wagen zurückkehren. Es ist ein bisschen wie die "Reise nach Jerusalem". Wenn einer wegfährt, muss man schnell sein. Vor dem Gebäude des Regierungspräsidiums ist noch Platz, doch dorthin will niemand. Wer die Geduld bewahrt, wird vielleicht mit einem kürzeren Fußweg belohnt.

Im Winterschlaf

Die Wintersonne taucht das Zeughaus in ein goldenes Licht. Schön sieht das aus. Aber es ist niemand da, der hinguckt. Die Pizzeria an der Ecke hat geschlossen, im Immobilienbüro schauen die Mitarbeiter konzentriert auf ihre Bildschirme, im italienischen Feinkostgeschäft "Klein und fein" ist es ruhig um diese Zeit. Es sind kaum Fußgänger unterwegs, die wenigen in der Kälte dick vermummten Radfahrer haben keine Muße, sich die Fassaden anzuschauen. Der Botanische Garten liegt im Winterschlaf. Es ist seltsam still. Ist das der Platz, der sich durch den Wochenmarkt zweimal in der Woche in den lebendigsten Ort der Stadt verwandelt? Diese verlassene Fläche voller Blechkisten? Wenige Meter weiter sieht das anders aus. Auf dem Lindenplatz und in der Walltorstraße ist mehr los. Vor einem türkischen Imbiss sitzen ältere Männer und erzählen sich was. Zwei junge Typen rufen einander über den Platz hinweg etwas zu, eine Mädchenclique stolziert kichernd Richtung Seltersweg.

Die Marktlauben sind verwaist. Im Schaukasten wird noch auf die Verkaufszeiten zu Weihnachten und Silvester hingewiesen. Schnee von gestern. Der Mülleimer neben dem Parkscheinautomaten quillt über. Eine Taube pickt ein paar Krümel aus dem Abfall. Sonst sitzt hier häufig ein Mann und hält die Hand auf. Heute ist die Mauer leer. Das Tagesmenü des Schlosskellers ist der Jahreszeit angepasst. Zum Nachtisch gibt es Tiroler Germknödel. Ein süßer Trost in kalten Zeiten.

Die "Reise nach Jerusalem" geht weiter, mit wechselnder Besetzung. Ein junger Mann verliert die Nerven, er lenkt seinen schwarzen BMW in Richtung Kanzleiberg - trotz Verbotsschild. Mit quietschenden Reifen biegt er um die Ecke. cg

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