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Auch einige Mitglieder der Fußballabteilung des MTV gehören zum harten Kern der Einkaufstruppe. Nathalie Fuss nimmt die Taschen entgegen.

Helferkreis

Gießen: Junge Leute gehen für Altenheimbewohner Schokolade und Kekse einkaufen

  • Christine Steines
    VonChristine Steines
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Dienstag ist Einkaufstag. Jede Woche machen sich junge Leute im Gießener Südviertel auf den Weg, um für die Bewohner des Alten- und Pflegeheims Maria Frieden der Caritas Kleinigkeiten »außer der Reihe« zu besorgen. Der Helferkreis besteht seit einem Jahr und ist absolut verlässlich.

Gießen – Kekse, Nussschokolade, Sahnejoghurt, Zigaretten, Wein, eine duftende Handcreme. In den Jutetaschen befinden sich keine lebensnotwendigen Dinge, sondern Kleinigkeiten, auf die die Senioren Lust haben und die den Tag verschönern können. Ein kleiner Trost für Leib und Seele.

Früher sind die Mitarbeiter des sozialen Dienstes mit den Senioren einkaufen gegangen, doch das geht in der Pandemie nicht. Und wenn sie für die Bewohner des Alten- und Pflegeheims in den Supermarkt gehen, ist das wertvolle Zeit, die ihnen in den Wohngruppen fehlt, schildert die Betreuerin Nathalie Fuss.

Gießen: Große Gruppe an Helfern für Altenpflegeheime

Vor einem knappen Jahr hat die Sozialarbeiterin Gundula Breyer, beim Caritasverband für die offene Seniorenarbeit und die Ehrenamtskoordination zuständig, einen Helferkreis initiiert. Damals gab es mancherorts mehr Helfer als Menschen, die diese Hilfe in Anspruch nehmen wollten.

Doch Angebot und Nachfrage pendelten sich ein. Entgegen der anfänglichen Befürchtungen versandete das Engagement der Einkäufer nach der ersten Euphorie auch nicht. Die Gruppe ist so groß, dass die Helfer sich bequem abwechseln können und der zeitliche Aufwand begrenzt ist. »Wir alle sind dankbar für diese tolle Unterstützung«, betont Breyer.

Zum harten Kern gehört neben einigen jungen Frauen eine Truppe der Fußballabteilung des MTV. Tobias Winter hat seine Sportkumpel Max Träger, Luca Dreyer und Luca Gysbers schnell für die Aktion gewinnen können. Sie sind seit Sommer 2020 mit von der Partie und freuen sich, dass sie mit ihren Einkäufen der wöchentliche Lichtblick für die Pflegeheimbewohner sind. »Wenn die jungen Leute kommen, ist der Tag gerettet«, zitiert Nathalie Fuss eine Seniorin. Die Hilfsbereitschaft sei wieder ein anschaulicher Beweis dafür, dass »die Jugend« viel besser sei als ihr Ruf.

Gießen: Ein wenig Freude in schweren Zeiten

Selbstverständlich werden die Bewohner der Caritaseinrichtungen mit mehreren Mahlzeiten pro Tag versorgt, doch natürlich gibt es immer kleine Wünsche außer der Reihe. Die Männer und Frauen in Maria Frieden und dem benachbarten St. Anna haben wie alle Pflegeheimbewohner schwere Monate hinter sich. Auch wenn es dank Schnelltests und Impfungen langsam aufwärts geht, bedrückt sie die lang andauernde Pandemie doch sehr.

Besuche von Angehörigen waren zeitweise gar nicht oder nur sehr begrenzt möglich, die üblichen geselligen Nachmittage mit Plaudern, Singen oder Basteln konnten nicht stattfinden, Nachbarn in den Wohnbereichen erkrankten an Corona, einige vertraut gewordene Menschen starben daran. »Das war eine schlimme Zeit«, sagt Breyer.

Gießen: Mehr als ein Winken am Fenster ist nicht möglich

Auch für die Pflegekräfte und die Kollegen des sozialen Dienstes seien das extrem belastende Wochen gewesen. Die Einkaufshelfer kennen zwar die Schokoladen- oder Joghurtvorlieben ihrer Auftraggeber, die Senioren selbst kennen sie aber nicht. Sie geben die Jutebeutel nach dem Einkauf am Empfang ab und verabschieden sich bis zur kommenden Woche. Mehr als ein Winken am Fenster ging nicht.

Im Sommer könnte sich das vielleicht ändern. Gemeinsam draußen sitzen, mit Abstand und Kaffee und Kuchen - das wärs. Doch bis es soweit ist, freuen sich die Bewohner auf die Dienstage und ihr wöchentliches Quantum Trost.

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