Die ausgebaute Rathenaustraße. Der helle Bereich mit der Mittelinsel für Fußgänger trennt den Campusplatz. Für 75 Meter gilt Tempo 30. FOTO: SCHEPP
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Die ausgebaute Rathenaustraße. Der helle Bereich mit der Mittelinsel für Fußgänger trennt den Campusplatz. Für 75 Meter gilt Tempo 30. FOTO: SCHEPP

"Verkehrsberuhigung" gefordert

  • Burkhard Möller
    vonBurkhard Möller
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Gießen(mö). Mehr Verkehrsberuhigung, wie sie derzeit auf der ausgebauten Rathenaustraße herrscht, geht eigentlich nicht. Bedingt durch die Vollsperrung und den durch die Semesterferien und Corona eingeschränkten Unibetrieb, verkehren dort kaum Autos, Radfahrer und Fußgänger. Das wird sich im kommenden Jahr und vor allem in den Folgejahren, wenn die Universität auf beiden Seiten der Rathenaustraße ihre großen Neubauten errichtet hat, ändern. Mit Blick auf die Zukunft des Campus Philosophikum, der künftig zum Bereich mit den meisten Fußgängern in ganz Gießen werden könnte, will sich die Linksfraktion im Stadtparlament mit der im Bebauungsplan "Altenfeld" festgelegten Verkehrsführung nicht abfinden.

Tempo 50 bis zum Campusplatz

Statt den Autoverkehr zu bevorrechtigen, wie es die bereits umgesetzte Verkehrsführung vorsieht, fordert der Stadtverordnete Michael Janitzki jetzt in einem Antrag eine "Verkehrsberuhigung" im Verlauf des 75 Meter langen Campusplatzes. "Im Platzbereich der Rathenaustraße ist entweder für eine Gleichberechtigung aller Verkehrsteilnehmer in Form einer Shared Space zu sorgen oder zumindest eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 10 km/h anzuordnen, damit die Gefährdung von Fußgängern und Radfahrern verringert wird", heißt es in dem Antrag, mit dem Janitzki auch die Berichterstattung der GAZ vom 1. August ("Dino aus Asphalt und Beton") aufgreift.

So verweist der Stadtverordnete vom Linken Bündnis auf den Masterplan der Universität zum Campus Philosophikum, in dem für die Rathenaustraße vorgeschlagen wird: "Die Rathenaustraße sollte im Ausbaubereich auf eine Geschwindigkeit von 30 km/h beschildert werden, gegebenenfalls könnte im Platzbereich auch eine Geschwindigkeitsreduzierung auf 10 km/h vorgesehen werden."

Die bereits umgesetzte Beschilderung indes erlaubt es, bis direkt an den Campusbereich 50 zu fahren, für die 75 Meter Platzbereich gilt Tempo 30, unmittelbar dahinter wieder 50 bis zur Uni-Kita im Alten Steinbacher Weg, wo dann wieder 30 gilt. Der Autoverkehr wird also auch im Platzbereich, obwohl zahlenmäßig klar in der Minderheit, bevorrechtigt. Für Fußgänger steht eine vier Meter breite und 60 Meter lange Mittelinsel zur Verfügung, auf der sie warten müssen, bis Autos den Bereich passiert haben.

Eine Verkehrsmengenprognose geht davon aus, dass künftig in der Mittagsspitze zwischen 500 und 600 Pkw die Rathenaustraße befahren werden, die Zahl der Fußgängerquerungen wird mit 1100 angegeben. Auch Janitzki hält diese Zahl noch für zu niedrig, wenn man miteinbeziehe, dass die neue Mensa künftig auf der anderen Seite der Rathenaustraße stehen wird. "In der Mensa werden doch jeden Mittag Tausende Essen ausgegeben, und jeder, der künftig aus dem Philosophikum I zum Essen in die Mensa geht, wird die Straße in den Mittagsstunden zweimal queren", argumentiert Janitzki, der selbst Stammgast in der größten Unikantine mit ihren gegenwärtig bereits 2600 Plätzen ist.

Mit Blick auf stadtklimatische Herausforderungen - Stichwort Überhitzung im Sommer - findet es Janitzki bedauerlich, dass es in der Klingelbachaue nun zu einer massiven Versiegelung und Baumfällungen gekommen sei. "Das lässt sich jetzt nicht mehr ändern, aber ich appelliere an den Magistrat, das Thema Kaltluftschneise zu berücksichtigen, wenn die Vitos-Klinik bauliche Veränderungen auf ihrem Gelände vornehmen wird."

Wichtiger Frischluftkorridor

Im Rahmen der Bürgerfragestunde am kommenden Montag im Corona-Ausschuss des Stadtparlaments liegt dem Magistrat dazu eine Frage vor. Fragesteller Ekhard Schneider will wissen, ob der Rasensportplatz und die Streuobstwiesen, die sich gegenüber der Graudenzer Straße auf dem Vitos-Gelände befinden, "langfristig erhalten bleiben". Hintergrund der Anfrage sind Ankündigungen von Vitos, auf dem zwischen Licher Straße und Altem Steinbacher Weg gelegenen Gelände baulich einiges zu verändern.

Wie die Gießener Klimafunktionskarte (links) zeigt, zählt der vom Klingelbach geprägte Grünzug zwischen den beiden Autobahnanschlussstellen Licher Straße und Schiffenberger Tal zu den wichtigsten Frischluftkorridoren der Stadt.

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