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Zwischen Gießen und Wetzlar: Große Veränderungen an B49 und Bahnstrecke?

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Von: Burkhard Möller

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Das Foto gibt einen Eindruck von den Planspielen an der Lahnparkstraße. Die Bahnlinie Gießen-Wetzlar (roter Zug) müsste auf das Niveau der darüberliegenden Gleistangente angehoben werden. Unten wäre dann Platz für eine Abfahrt von der B 49 (am rechten Bildrand).
Das Foto gibt einen Eindruck von den Planspielen an der Lahnparkstraße. Die Bahnlinie Gießen-Wetzlar (roter Zug) müsste auf das Niveau der darüberliegenden Gleistangente angehoben werden. Unten wäre dann Platz für eine Abfahrt von der B 49 (am rechten Bildrand). © Oliver Schepp

Die Verkehrsanbindung zwischen Gießen und Wetzlar entlang der B49 hat Tücken. Nun könnten Änderungen möglich werden.

Gießen – Man könnte Allendorfs Ortsvorsteher Thomas Euler mit dem Stichwort »Variante E« vermutlich morgens um drei Uhr wecken und er würde sofort chronologisch und bis ins Detail Auskunft geben können, was es mit dieser über 30 Jahre alten, spektakulären und hochumstrittenen Straßenbauplanung auf sich hatte. So sagte er denn auch am Montag wie aus der Pistole geschossen: »Nein, mit der Variante E hat das nichts zu tun. Das ist eigentlich die Alternativplanung von Professor Fischer-Schlemm.«

Jahrzehntelang hatten sich Kommunalpolitiker aus Wetzlar, Gießen und Heuchelheim sowie aus den Stadtteilen Allendorf, Kleinlinden und Dutenhofen sowie das Landesstraßenbauamt und der bekannte Gießener Verkehrsplaner Prof. Norbert Fischer-Schlemm über die Frage gestritten, wie unterhalb des Hoppensteins eine Anbindung der Schnellstraße B49 bei gleichzeitiger Beseitigung des Bahnübergangs an den Heuchelheimer Seen aussehen könnte. Seit die vom Land Hessen favorisierte berühmte »Variante E« mit einer 14 Meter hohen Straßenbrücke über die Bahn gestorben war, schien sich hier nichts mehr zu bewegen.

B49-Verkehr zwischen Gießen und Wetzlar: Bahnstrecke würde höher gelegt

Aber nun gibt es im Zusammenhang mit Überlegungen, zwischen Dutenhofen und Allendorf eine bis zu 16 Hektar große Gewerbefläche zu entwickeln, eine Idee, die laut Euler auf den früheren FH-Planer Fischer-Schlemm zurückgeht. Laut einer Auskunft von Planungsdezernentin Gerda Weigel-Greilich (Grüne) prüft die Bahn, ob eine Höherlegung der Strecke Gießen-Wetzlar auf das Niveau der Strecke, die vom Gleisdreieck Richtung Westen führt, angehoben werden kann. »Auf der dann aufgegebenen Bahnlinie könnte eine Rampenabfahrt von der Bundesstraße 49 verwirklicht werden«, schrieb die Stadträtin Anfang März in einer Antwort auf eine Anfrage der Parlamentsfraktion Gigg/Volt.

Die von der Grenze zwischen Gießen und Wetzlar durchzogene Gewerbefläche mit der Bezeichnung G424 (Gewerbe) steht im Entwurf des Regionalsplans. S438 (Siedlung) ist die mögliche Erweiterung des Wohngebiets Allendorf-Nord
Die von der Grenze zwischen Gießen und Wetzlar durchzogene Gewerbefläche mit der Bezeichnung G424 (Gewerbe) steht im Entwurf des Regionalsplans. S438 (Siedlung) ist die mögliche Erweiterung des Wohngebiets Allendorf-Nord © Red

Wie es in den Antworten weiter heißt, haben die Städte Gießen und Wetzlar im Zusammenhang mit der Verkehrsanbindung eines möglichen interkommunalen Gewerbegebiets, das im Entwurf des neuen Regionalplans Mittelhessen steht, »Planungsskizzen mit Varianten zur denkbaren Anbindung der B49 an die Lahnparkstraße und an die Wetzlarer Straße diskutiert«. Die einzige Variante, die als umsetzungsfähig angesehen werde, sei die mit der Höherlegung der Bahnstrecke. Weigel-Greilich: »Die DB prüft derzeit, ob diese Lösung weiter verfolgt werden kann.«

Zu den Überlegungen über ein gemeinsames Gewerbegebiet mit Wetzlar verwies Weigel-Greilich auf den »Angebotscharakter« des Regionalplans und die Planungshoheit der Kommunen. »Auf der Ebene der Bauleitplanung der Stadt Gießen sind keinerlei planungsrechtliche Schritte eingeleitet worden«, betonte die Grünen-Politikerin. Mit Wetzlar seien bislang nur erste informelle Gespräche geführt und ein Wertgutachten mit dem Ziel eines Ankaufs von Privatgrundstücken erstellt worden. Mit Hessen Mobil wiederum werde im Zusammenhang mit dem vom Land beabsichtigten Anbau der Standstreifen an der B 49 die »Fragestellung zu einer eventuellen Anbindung der Bundesstraße an die Lahnparkstraße« erörtert, erläuterte die Stadträtin.

B49-Verkehr zwischen Gießen und Wetzlar: Ortsbeirat stellt Bedingungen

Die zwischen Dutenhofen und Allendorf auf der Südseite der B 49 und der Bahnlinien gelegene Gewerbefläche hatten die Grünen vor zwei Jahren als Ersatz für die wegfallenden Flächen bei Lützellinden ins Gespräch gebracht. Der Ortsbeirat Allendorf hatte daraufhin Ende 2020 in einem Beschluss mehrere Bedingungen für die Entwicklung der Gewerbefläche gestellt. Gefordert wurden unter anderem keine Mehrbelastung für die Ortsdurchfahrt, eine Verkleinerung der Gewerbefläche, keine Logistik-Ansiedlungen, die Schaffung einer sicheren Querung der Wetzlarer Straße und einer Bushaltestelle für die Linie 11.

An diese Bedingungen hat Ortsvorsteher Euler im Zusammenhang mit der Auslegung des Regionalplanentwurfs nun erinnert.

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